Nachrichtenbilder: Von den News zum Kulturgut

Berlin Summer School of Photography 2026 – Manfred Heiting Stipendium | Staatsbibliothek zu Berlin: 31. August - 4. September 2026, Stichtag für Bewerbungen: 17. Mai 2026

Schwarzweiß-Foto einer großen Zahl von Fotografen mit ihren Kameras vor drei Stühlen

Bermudakonferenz 1953: Die Fotografen warten auf die Großen Drei: Dwight D. Eisenhower, Winston Churchill und
Joseph Laniel. Foto: Hanns Hubmann, Quelle: bpk-Fotoarchiv ©

Täglich informieren uns nicht allein Texte, sondern auch eine Vielzahl von Bildern darüber, was in der Welt geschieht – und fast immer handelt es sich um Fotografien und Videos. Online auf Nachrichtenportalen und in den Sozialen Medien, im Fernsehen oder auch in der Zeitung: Nachrichtenbilder prägen maßgeblich unsere Orientierung in der Welt, sie erzeugen Evidenz und strukturieren unsere Wahrnehmung.

Was aber geschieht mit all diesen Bildern, wenn sie ihre unmittelbare Aktualität verlieren? Unter welchen Bedingungen verwandeln sich „News“ in zeithistorische Quellen und im besten Fall sogar in ein wertvolles Kulturgut? Wie werden Nachrichtenbilder überhaupt gesammelt – und durch wen? Und wie verändern sich Status, Funktion und Lesbarkeit von Nachrichtenbildern mit ihrem Übergang ins Archiv?

Genau diese Fragen wollen wir stellen – anlässlich der ersten Berlin Summer School of Photography, die die Staatsbibliothek zu Berlin vom 31. August bis zum 4. September ausrichten wird. Das Manfred Heiting Stipendium für Fotografie eröffnet Master-Studierenden und Doktorand:innen die Gelegenheit, sich anhand des reichen fotografischen Bestands des bpk-Fotoarchivs in der Staatsbibliothek zu Berlin mit mehr als einem Jahrhundert faszinierender Fotogeschichte auseinanderzusetzen.

Geleitet wird die Summer School von Prof. Dr. Steffen Siegel (Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste) und Miriam Zlobinski (Kuratorin der Ausstellung „Im Rhythmus der Großstadt – 100 Jahre Fotografie und Presse in Berlin“) in Kooperation mit Christina Stehr (Staatsbibliothek zu Berlin, Referatsleiterin des bpk-Fotoarchivs).

Im Zentrum der ersten, durch das Engagement Manfred Heitings finanzierten Berlin Summer School of Photography stehen Bestände seit 1920, die wir im Hinblick auf Fragen nach Indexikalität und Evidenz, nach Autorschaft und Zirkulation sowie Materialität und Medialität untersuchen wollen. Nicht zuletzt wird der institutionelle Rahmen von Bibliotheken, Archiven und Museen kritisch betrachtet werden. Wie wirken solche Orte als Instanzen von Kanonisierung, Wissensproduktion und kultureller Wertzuschreibung?

Die Staatsbibliothek zu Berlin bietet hierfür einen idealen Rahmen. Neben ihrer Funktion als eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken weltweit verfügt sie über eines der bedeutendsten Bildarchive Deutschlands mit umfangreichen Beständen fotografischer Medien – im Ganzen ca. 12 Millionen Bilder. Darunter befinden sich unter anderem Vor- und Nachlässe sowie umfangreiche Konvolute von 150 Fotografinnen und Fotografen, zum Beispiel von Erich Salomon, Friedrich Seidenstücker, Willi Moegle, Leonore Mau, Abisag Tüllmann, Bernd Heyden oder Gerhard Kiesling.

Das bpk-Fotoarchiv der Abteilung „Presse und Bild“ widmet sich insbesondere der Bild- und Pressegeschichte des 20. Jahrhunderts und ermöglicht die Arbeit mit diesen Beständen in den Räumen der Sammlung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten im Lauf der Woche direkt vor Ort einen tiefen Einblick in diese reichen Bestände.

Zugleich wird die Summer School umfangreiche Gelegenheit bieten, durch persönliche Begegnungen an anderen Orten die gemeinsame Diskussion zu erweitern. Zum Programm gehören Gespräche bei der Fotoagentur OSTKREUZ, beim Ausstellungshaus für Fotografie C/O Berlin, im Bildarchiv des Ullstein Verlags und in der Bildredaktion von DIE ZEIT.

Die Berlin Summer School of Photography richtet sich an Master-Studierende und Doktorand:innen, die sich vertieft mit Theorie und Geschichte der Fotografie auseinandersetzen möchten. Die Veranstaltung ist ausdrücklich interdisziplinär angelegt und offen für Teilnehmende aus einem breiten Feld akademischer Disziplinen, zum Beispiel Kunstgeschichte, Medienwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Ethnologie, Geschichts- oder Kommunikationswissenschaft.

Für die Bewerbung erbeten ist ein kurzer Lebenslauf und ein höchstens einseitiges Schreiben, das die persönliche Motivation zur Teilnahme an der Summer School darstellt. Stichtag für die Bewerbungen ist der 17. Mai 2026.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten vor Beginn der Summer School digitalen Zugang zu ausgewählten Beständen des bpk-Fotoarchivs. In Tandem-Teams sollen diese Bestände so erschlossen werden, dass sie während der Summer School einführend präsentiert werden können. Die Auswahl der Konvolute wurde so getroffen, dass sie eine Vielzahl beziehungsreicher Forschungsfragen erlauben werden.

Mit der Zusage bis Ende Mai erfolgt gleichzeitig die digitale Bereitstellung des jeweiligen Konvoluts und die Bildung der Tandem-Teams. Das Manfred Heiting Stipendium ermöglicht allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Übernahme der Reisekosten (aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz) sowie für die Unterkunft und Verpflegung vor Ort.

Im Anschluss an die Summer School of Photography besteht für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, sich auf ein mehrwöchiges Stipendium an der Staatsbibliothek zu bewerben, das der weiteren Forschungsarbeit – zum Beispiel im Rahmen Masterarbeit, einer Promotion oder eines Postdoc-Projekts – dient.
Kontakt: stipendien@sbb.spk-berlin.de

 

Ihre Bewerbung für die Summer School of Photography richten Sie mit einem kurzen Lebenslauf und Motivationsschreiben (max. 3.000 Zeichen) bis 17. Mai 2026 in einem PDF-Dokument bitte unter Angabe des Betreffs „Summer School 2026“ an die folgende E-Mail-Adresse: stipendien@sbb.spk-berlin.de

Kontaktperson: Prof. Dr. Steffen Siegel; steffen.siegel@folkwang-uni.de

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