Stefan Arczynski (1916-2022)

 

Porträt Stefan Arczyński.
Foto: Wolfgang Schekanski, 2004 © Herder-Institut

Am 28. August 2022 ist der Breslauer Fotograf Stefan Arczyński kurz nach seinem 106. Geburtstag nach langer Krankheit verstorben. Das Herder-Institut ist seit Jahrzehnten mit ihm verbunden und bewahrt einen wesentlichen Teil seines umfangreichen fotografischen Œuvres. Wir trauern daher mit seiner Frau Lidia Arczyńska und der Familie um einen wunderbaren Menschen und um einen herausragenden Fotografen und Künstler.

Wer Stefan Arczyński bei Besuchen in Breslau oder auch bei seinem Aufenthalt in Marburg persönlich kennengelernt hat, war sehr beeindruckt von der Persönlichkeit, seinen wachen, geschärften Sinnen, seinem Humor, seinen umfangreichen Interessen und nicht zuletzt von dem Künstler, denn neben seiner dokumentarischen Fotografie verfolgte er auch künstlerische Ambitionen.

Der 1916 in Essen geborene Sohn von Emigranten aus Großpolen, der im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite kämpfen musste und in sowjetische Gefangenschaft geriet, hat sich danach im nun polnischen Schlesien niedergelassen und schließlich in Breslau/Wrocław den größten Teil seines Lebens verbracht, wo ihm für sein Wirken und sein Lebenswerk schließlich die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde.

Stefan Arczyński konnte aus einem wahrlich reichen Leben und von überaus vielen Erlebnissen berichten, und er war ein großartiger Fotograf. Mit seinen brillanten fotografischen Aufnahmen hat er unser Bild von Breslau//Wrocław und Schlesien, darüber hinaus aber auch das von anderen Regionen Polens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt. Zudem hat er in seinen Fotografien von Reisen an viele charakteristische Orte der Erde eindrucksvolle Motive mitgebracht und einem an der weiten Welt interessierten Publikum in Polen in vielen Ausstellungen präsentiert.

Seine Bilder haben einen hohen künstlerischen Wert, sie sind ikonische Schöpfungen von Bestand. Sein Werk erfährt große Wertschätzung durch ein internationales Publikum. Im Herder-Institut und in wissenschaftlichen Kreisen genießt die Fotosammlung Stefan Arczyński ein hohes Ansehen als eine besonders wertvolle Dokumentation der Entwicklung Polens seit dem Zweiten Weltkrieg, der Sozialistischen Volksrepublik und der Transformation nach der Wende. Im Bildarchiv des Herder-Instituts wird sein fotografisches Werk angemessen bewahrt, es umfasst über 100.000 Negative und Dias von den 1950er bis in die 1990er Jahre, mit Schwerpunkt auf Schlesien und Polen. Diese Fotografien zu unserem östlichen Nachbarland werden sukzessive in der Online-Bilddatenbank des Herder-Instituts publiziert.

 

>> zur Sammlung Arczyński

Foto: Stefan Arczyński, Kriegszerstörungen am Warschauer Schlossplatz, 1951. Quelle: Herder-Institut ©

Foto: Stefan Arczyński, „Leichtigkeit des Seins“. Streetlife der Swinging Sixties in Berkeley, Kalifornien, 1969. Quelle: Herder-Institut ©

Foto: Stefan Arczyński, Gaudischer Zuckerguss als Bekrönung eines Gebäudes in Barcelona, 1992. Quelle: Herder-Institut ©

Der Nachruf wurde am 1. September 2022 zuerst auf der Website des Herder-Instituts veröffentlicht.

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