Tagung: Gezähnte Geschichte II. Philatelie und Postgeschichte aus historischer Perspektive

Online an sechs Samstagen vom 13.02. - 27.03.2021

1982 stellte der ehemalige Bundespostminister Kurt Gscheidle (SPD) in seinem Porträt über die Deutsche Bundespost „In Verbindung bleiben“ fest: „Die Post ist für die meisten Menschen unersetzlich, ja, lebensnotwendig. Dennoch ist sie kein Thema, das Menschen in ihrer Freizeit beschäftigt, wenn wir einmal von einigen Liebhabern und, natürlich, von den Philatelisten absehen, die in der Tat weit über die Briefmarken hinaus an der Post interessiert sind.“

Diese Schilderung Gscheidles ließe sich auch auf das Interesse der Geschichtswissenschaft an der Institution Post, deren interner Kommunikation sowie auch auf den Postverkehr mit all seinen Facetten übertragen. So ist es nicht verwunderlich, dass die weitaus häufigsten Analysen zur Postgeschichte – mit Ausnahmen – bis heute vor allem von Interessierten aus dem Kreis der außeruniversitären Philatelie stammen. Verschiedene Arbeitsgruppen – unter anderem des Bundes Deutscher Philatelisten e.V. (BDPh) – widmen sich den Fragen der postalischen Kommunikation. Aber auch postgeschichtlich interessierte bürgerwissenschaftliche Kreise nehmen sich diesem Thema an. In der universitären Geschichtswissenschaft hingegen gelten sowohl Philatelie als auch Postgeschichte als eher randständige Themen.

Dies ist umso erstaunlicher, als der Post in der Kommunikationsgeschichte und damit in der Gesellschaftsgeschichte eine besondere Bedeutung zukommt. Denn mit ihr hätten, so Gscheidle in seinem Porträt, fast alle Bürgerinnen und Bürger jeden Tag zu tun. Dieses hochkomplexe Konstrukt würde allerdings nur dann ins Bewusstsein rücken, wenn es oder Teile seiner vielfältigen Wechselbeziehungen nicht funktionieren. Ansonsten bestünde kein allgemeines Interesse an etwas so Alltäglichem und Selbstverständlichem.

Dass dem nicht so ist, zeigt sich an vielen ergiebigen Fragestellungen zum Thema „Philatelie und Postgeschichte als Teil der Geschichtswissenschaft“. Sei es außereuropäisch über die Orte der Erinnerung in Afrika oder über die Briefmarken der baltischen Staaten der Zwischenkriegszeit, sei es zu politischen Weltbildern auf Briefmarken oder in einer historischen Perspektive von Thurn und Taxis (1848-1867) bis zu den Europamarken von 2020.

Briefmarken, Foto: WissensDürster, 23. August 2010. Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Programm

Sa 13.02.2021, 16:00-17:30
René Smolarski, Universität Erfurt: „Gezähnte Geschichte“ – Welchen Beitrag die Philatelie und Postgeschichte für die Geschichtswissenschaft leisten kann

 

Sa 20.02.2021, 16:00-17:30
Christoph Kohl: Philatelie und Postwesen in Afrika: Von Orten zu Nicht-Orten der Erinnerung?

Jürgen Warmbrunn: Die Briefmarken der baltischen Staaten der Zwischenkriegszeit: Zeugnisse nationaler Eigenheit oder baltischer Gemeinsamkeit?

 

Sa 27.02.2021, 16:00-17:30
Andreas Benz: Die Entwicklung postalischer Infrastruktur im Spannungsfeld zwischen verkehrstechnischem Fortschritt und partikularistischem Fiskalismus

Jasper Trautsch: Wo liegt denn Deutschland? Zur subtilen Vermittlung von politischen Welt-Bildern auf Briefmarken aus der DDR

 

Sa 06.03.2021, 16:00-17:30
Ingo Egerlandt: Britische Truppen in Frankreich vom September 1939 bis zum Juli 1940

 

Sa 13.03.2021, 16:00-17:30
Laura Hindelang: Architekturen des Postwesens in Kuwait. Ein politisierter Schauplatz im 20. Jahrhundert

Matthias Lieb: N.N.

 

Sa 20.03.2021, 16:00-17:30
N.N.

 

Sa 27.03.2021, 16:00-17:30
Hartmut Fueß: Europamarken 2020: Historische Postwege

Nadja Springer: Regensburg: Zwischen Hofberichterstattung und moderner Öffentlichkeitsarbeit: Die Thurn und Taxis-Post 1848-1867

 

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage wird die Tagung „Gezähnte Geschichte II. Philatelie und Postgeschichte als Teil der Geschichtswissenschaft“ als Online-Tagung an verschiedenen Samstagen im Februar und März stattfinden.

Es ist eine öffentliche Tagung in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Philatelisten (BDPh), zu der Interessierte herzlich eingeladen sind. Die Anmeldung und das aktuelle Programm findet sich unter: https://www.bdph.de/index.php?id=85

Kontakt: rene.smolarski@uni-erfurt.de

 

Die Tagungsankündigung auf H-Soz-Kult sowie die Projektwebsite

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Artikel kommentieren

Ihre Email wird nicht veröffentlicht.

AlphaOmega Captcha Classica  –  Enter Security Code