AKTUELLES HEFT DER „FOTOGESCHICHTE“: DEN BLICK ERWIDERN

hg. von Sophie Junge: Fotografie und Kolonialismus

In der postkolonialen Forschung sind die Wechselwirkungen von Fotografie und Kolonialismus umfassend thematisiert worden: die repressive Kraft fotografischer Aufnahmen, die Menschen stereotypisieren und soziale Konflikte verschleiern, die Land kartografieren und sich dadurch zu eigen machen. Fotografien aus kolonialen Kontexten sind aber nicht allein Spiegel von Gewaltverhältnissen, sondern vielschichtige und mehrstimmige Dokumente, die aus unterschiedlichen Perspektiven neu befragt werden können und müssen. Im Fokus dieses Themenhefts stehen jene Wissensorte, die in großem Maße für die Deutungshoheit, Zugänglichkeit und Sichtbarkeit von kolonialen Fotografien verantwortlich sind, nämlich Archive und Sammlungen.

Die Autorinnen und Autoren plädieren dafür, Fragen nach der Ikonografie, Provenienz, nach historischen und aktuellen Besitzverhältnissen anders zu stellen: Welche Auswirkungen hat die zunehmende digitale Verfügbarkeit von Sammlungen auf die Deutung der Bilder und die abgebildeten Personen? Dürfen Fotografien, die in einer traumatischen und gewaltvollen Aufnahmesituation entstanden sind, öffentlich zur Schau gestellt werden oder müssen sie institutionell geschützt bleiben? Welche politische Verantwortung geht mit der Erforschung und Sichtbarmachung von Fotografien ehemals kolonialisierter Menschen, Länder und Regionen einher? Und wie können wir in den Blick nehmen, was Archive nicht bewahren und Fotografien nicht abbilden?

 

Screenshot der Webseite „Fotogeschichte“ [11.02.2022]

Das aktuelle Heft der Fotogeschichte Jg. 41 (Winter 2021), Nr. 162

 

DEN BLICK ERWIDERN: Fotografie und Kolonialismus

Hg. von Sophie Junge

 

BEITRÄGE

Sophie Junge: Fotografie und Kolonialismus. Editorial

Sophie Junge, Liesbeth Ouwehand, Alexander Supartono: „Vom Eigentum zur Autorschaft“. Koloniale Archive neu lesen. Ein Gespräch

Nanina Guyer: Vorwärts in die Vergangenheit. Künstlerische Forschung und Mitautorenschaft in Hans Himmelhebers Fotografien aus dem Kongo 1938/39

Aimée Bessire, Halfan Hashim Magani, Erin Hyde Nolan: Transatlantic Collaborations in the Colonial Archive. Todd Webb’s 1958 UN Commission

Jadwiga Kamola: Kunst, Kitsch, Faschismus, Kolonialismus. Leni Riefenstahls fotografisches Spätwerk im Museum

Anne Peiter: Patina zwischen Zerstörung und Ästhetisierung. Fotografische Porträts befreiter Sklavinnen und Sklaven in einem Register der Seychellen

Sophie Junge: Schlagwort unbekannt. Überlegungen zum Nicht-Wissen im kolonialen Fotoarchiv

 

FORSCHUNG

Hanns Zischler: Ein Fund im Depot (zum Bericht)

Holger Stoecker. En face und en profil. Fotografische Porträts toter Afrikaner für die Berliner Academia (zum Bericht)

Anne Vitten: „Der Schrecken aller Schülerinnen – Hereroköpfe“. Wissenschaftliche Fotografie im Lette-Verein (zum Bericht)

Die Magie der Fotografie. Ein Gespräch mit der Ethnologin Heike Behrend (zum Gespräch)

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