Neue Rezensionen: H-SOZ-KULT

Neue Rezensionen auf H-Soz-Kult zu Publikationen aus dem Bereich der Historischen Bildforschung und Visual History

Farbfoto von einem prächtigen Raum mit Büchern und Deckengemälden

Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien. Foto: Pymouss, 6. Mai 2018
Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Burcu Dogramaci: Exil London. Metropole, Moderne und künstlerische Emigration

Wallstein, Göttingen 2024

rezensiert von Lori Gemeiner Bihler, redaktionell betreut durch Mathias Häußler

 

Buchcover mit Schwarzweißfoto von Menschen an einem Stand mit Gläsern und Schrift

Cover: Dogramaci, Exil London, Wallstein 2024 ©

From the turn of the twentieth century through the Weimar Republic, Central European cities were incubators of artistic experimentation and decorative design. Movements like Expressionism and New Objectivity and collectives such as the Wiener Werkstätte and Bauhaus grew out of an interconnected network of artisans and innovators that developed over decades. This world came to an abrupt halt with the election of Adolf Hitler in 1933 and the National Socialist’s designation of modern art as “degenerate art”. []

 

 

 

 

 

 

Philipp Springer: Die Hauptamtlichen. Fotografische Einblicke und biografische Skizzen aus den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit

Gebr. Mann, Berlin 2025

rezensiert von Annette Vowinckel, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

 

Buchcover mit Foto von Mann hinter einem Schreibtisch und Schrift auf blauem Grund

Cover: Springer, Die Hauptamtlichen,
Gebr. Mann Verlag 2025 ©

Hauptamtliche Mitarbeiter:innen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) machten bei der Arbeit häufig von einer Kamera Gebrauch, zum Beispiel, wenn sie potenzielle „Gegner“ observierten oder mit Polaroid-Kameras den Zustand einer Wohnung festhielten, bevor sie diese durchsuchten, um sie anschließend wieder im vorherigen Zustand verlassen zu können. Fotografien, die diese hauptamtlichen Mitarbeiter:innen zeigen, sind dagegen eher selten, zumal das Fotografieren in den Räumen des MfS als mögliche Bedrohung für die Konspiration betrachtet wurde.  []

 

 

 

 

 

KZ-Gedenkstätte Mauthausen (Hg.): das sichtbare unfassbare / the visible part. Fotografien vom Konzentrationslager Mauthausen / Photographs of Mauthausen Concentration Camp

new academic press, Wien 2024

rezensiert von Lukas Meissel, redaktionell betreut durch Sarah Knoll

 

Cover: KZ-Gedenkstätte Mauthausen (Hg.),
das sichtbare unfassbare, new academic press 2024 ©

Der Großteil an Fotografien, die aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern überliefert sind, wurden von SS-Fotografen aufgenommen. In den sogenannten Stammlagern waren standardisierte Fotoabteilungen für die Bildproduktion der Lager zuständig. SS-Angehörige fotografierten im Auftrag der Kommandantur oder übergeordneter Stellen, ihre Aufnahmen repräsentierten dabei die offizielle Lagerfotografie und damit das Bild, das von Konzentrationslagern von Seiten der Täter geschaffen wurde. []

 

 

 

 

Martin Cüppers (Hg.): Stroop-Bericht. Ghetto Warschau. Aufstand und Vernichtung im Stroop-Bericht. Neuedition mit Zusatzdokumenten 

Metropol, Berlin 2025

rezensiert von Michael Wildt, redaktionell betreut durch Marc Buggeln

 

Buchcover mit Akten-Schrift und drei Schwarzweißfotos aus dem Ghetto

Cover: Cueppers, Stroop-Bericht, Metropol 2025 ©

Ein Fotoausschnitt aus dem Bericht des SS-Generals Jürgen Stroop über die Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto 1943 ist weltweit bekannt: Das Bild eines kleinen Jungen mit Schiebermütze und erhobenen Händen ist zu einer Ikone der Unschuld der Opfer des Holocaust geworden, losgelöst und weithin unbekannt vom Kontext des Dokuments, mit dem ein SS-Täter sich seiner Massenverbrechen rühmt. []

 

 

 

 

 

Julie Keresztes: Photography and the Making of the Nazi Racial Community

Cornell University Press,  Ithaca 2024

rezensiert von Linda Marie Conze, redaktionell betreut durch Jan Kreutz

 

Schwarzes Buchcover mit goldener Schrift

Cover: Keresztes, Photography and the Making
of the Nazi Racial Community, Cornell UP 2024 ©

Dass der Nationalsozialismus (NS) eine Diktatur der Medienprofis war, darüber herrscht in der Forschung Einigkeit. Lange Zeit richtete sich der Blick vor allem auf die Bilder, die das Regime in Umlauf brachte: ikonische Propagandafotografien, Aufnahmen von Parteitagen oder Bildreportagen der NS-Presse. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich das Forschungsfeld jedoch deutlich ausdifferenziert, wie zuletzt auch der von Sybille Steinbacher und Michael Wildt herausgegebene Band „Fotos im Nationalsozialismus“ demonstrierte []

 

 

 

 

 

 

Linda Conze: Die Fotografie und das Fest. Zur medialen Herstellung von Gemeinschaft zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Wallstein, Berlin 2025

rezensiert von Malte Grünkorn, redaktionell betreut durch Sebastian Lotto-Kusche

 

Graues Buchcover mit Foto und roter und schwarzer Schrift

Cover: Conze, Die Fotografie und das Fest,
Wallstein 2025 ©

Die Monografie von Linda Conze ist für Leser:innen, die sich für die Gesellschaftsgeschichte des Nationalsozialismus (NS), den Übergang von der Republik zur Diktatur sowie für Fotogeschichte im Allgemeinen interessieren, sehr instruktiv. Sie dürfte also für viele Forschende relevant sein. Aus dem Projektzusammenhang „Fotografie im Nationalsozialismus“ an der Humboldt-Universität zu Berlin sind – auch durch Conze – bereits einige Publikationen entstanden, die schon manche Argumente des vorliegenden Buches eingeführt haben. []

 

 

 

 

 

Clara Bolin: fotoform. Fotografische Ausstellungspraktiken nach 1945  

Böhlau, Wien 2025

rezensiert von Rolf Sachsse, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

 

Buchcover mit Foto von einer Ausstellung und Schrift

Cover: Bolin, fotoform, Böhlau 2025 ©

„Wir Deutsche haben weiß Gott nicht viel. Auf fotografischem Gebiet die Erinnerung an eine wirkliche Leistung und allenfalls noch einen gewissen verbliebenen Kredit.“ Mit diesen Worten beginnt – von einem Anzeigenblättchen einmal abgesehen – 1947 die bundesdeutsche Nachkriegs-Fotopublizistik; sie beschreiben einen Zustand des Dazwischen, ohne konkret zu werden: Was die Leistung ist und was der Kredit, wird nicht weiter exemplifiziert. []

 

 

 

 

 

 

Stiftung Topographie des Terrors u.a. (Hg.): Die Tat im Bild. Die Deportation von Jüdinnen und Juden aus der Pfalz nach Gurs. Fotografien aus Ludwigshafen vom 22. Oktober 1940 

Metropol, Berlin 2025

rezensiert von Malte Grünkorn, redaktionell betreut durch Marc Buggeln

 

Buchcover mit Fotografie von Menschen vor einem Wagen mit Gepäck und Soldaten, darüber gelbgrüne Schrift

Cover: Stiftung Topographie des Terrors u.a. (Hg.),
Die Tat im Bild, Metropol 2025 ©

Der fünfte Band in der Reihe „Notizen Visuell“ der Stiftung Topographie des Terrors widmet sich auf 128 Seiten Fotografien der Deportation von Jüdinnen und Juden aus Ludwigshafen nach Gurs am 22. Oktober 1940. Das Gemeinschaftsprojekt dreier Institutionen, neben der Topographie sind das MARCHIVUM und das Stadtarchiv Ludwigshafen beteiligt, ist dabei sowohl eine ausführliche Quellenstudie wie auch ein lesens- und anschauenswerter regionalgeschichtlicher Beitrag zur Geschichte der NS-Verfolgung und Deportationen. []

 

 

 

 

Laura Elias: Der imperiale Blick. Die indigene Bevölkerung Zentralasiens in der ethnographisch-anthropologischen Fotografie des Russländischen Imperiums

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2024

rezensiert von Ruslana Bovhyria, redaktionell betreut durch Immo Rebitschek

 

Farbiges Buchcover mit Schrift und zwei Fotos einer jungen Frau von vorn und von der Seite

Cover: Elias, Der imperiale Blick,
Vandenhoeck & Ruprecht 2024 ©

Die Wechselwirkungen zwischen Fotografie und Kolonialismus sind in der postkolonialen Forschung aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht worden – seien es kartografische Vermessungen, das Stereotypisieren von Menschengruppen oder die Etablierung von Machthierarchien. Die Fotografen aus den imperialen Metropolen begannen relativ früh damit, die ethnografische Vielfalt der Peripherien visuell einzufangen. Insbesondere die fotografische Inszenierung der Kolonisierten sollte die europäische Fremdherrschaft moralisch gerecht erscheinen lassen. []

 

 

 

 

 

 

Fabian Schmidt, Der Westerborkfilm. Bilderwanderung und Holocausterinnerung

Ed. Text + Kritik, München 2024

rezensiert von Birgit Hofmann, redaktionell betreut durch Jan-Holger Kirsch

 

Buchcover mit Foto eines Mädchens mit Kopftuch, das aus einem Zug blickt, darüber Schrift

Cover: Schmidt, Der Westerborkfilm,
Ed. Text+Kritik 2024 ©

Ein Mädchen mit Kopftuch blickt aus einem Deportationszug: Dieses ikonische Bild der Holocausterinnerung zeigt, wie erst 1994 bekannt wurde, keine Jüdin, sondern eine Sinteza, mutmaßlich die damals neunjährige Settela Steinbach. Aufgenommen wurde der Moment im niederländischen Durchgangslager Westerbork, von dem aus Menschen in die Vernichtungslager Auschwitz und Sobibor, nach Bergen-Belsen und Theresienstadt verschleppt wurden. Fabian Schmidt stellt den 1944 gedrehten Westerborkfilm ins Zentrum seiner Untersuchung und leistet damit Pionierarbeit: Trotz exzessiver Nutzung als Footage, Erinnerungsspeicher und Illustrationsmaterial handelte es sich bisher um eine Forschungslücke. []

 

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