Aktuelles Heft der „FOTOGESCHICHTE“:
Kritik der Autorschaft

Fotografie als kollektives Unternehmen – hg. von Paul Mellenthin

Wer Fotografien macht, scheint klar zu sein: Fotograf:innen. Aber stimmt denn diese Annahme so ohne weiteres? Bereits in der gewerblichen Fotografie des 19. Jahrhunderts war das Fotografieren ein arbeitsteiliger Prozess, auch wenn im Ateliernamen meist die Vorstellung einer singulären Autor:innenschaft gepflegt wurde. Und auch im kunst- und fotohistorischen Mainstream des 20. und 21. Jahrhunderts wurde dieses Bild weiter gefestigt. Im Kunst- und Ausstellungsbetrieb huldigte man häufig dem künstlerischen Geniekult und dem Mythos der kreativen Schöpfung. Doch welche Rolle spielen die einzelnen Tätigkeiten – etwa das Vorbereiten und Aufnehmen, das Entwickeln, Retuschieren und Kopieren, das Kolorieren, Beschriften und Montieren, aber auch das Verkaufen, Verteilen und Zeigen – bei der Wahrnehmung von Fotografien?

Die Beiträge dieses Themenhefts hinterfragen Konzepte der singulären Autor:innenschaft aus der Perspektive der Visual Culture Studies und regen zu einer Methodenrevision fotohistorischer Ansätze an. Die Autor:innen stellen erweiterte Konzepte fotografischer Produktion zur Diskussion, indem sie den Blick auf kollektive Arbeitsprozesse und die komplexe fotografische Postproduktion lenken. Beleuchtet werden unter anderem die mediale Umsetzung, die öffentliche Präsentation, aber auch die massenmediale Verbreitung der Bilder.

Screenshot: Banner der Fotogeschichte: ein Mann mit Melone, ein rodelndes Kind, das vom Schlitten gefallen ist; das Heft der „Fotogeschichte“; Foto eines Jungen, der in die Kamera guckt.

Screenshot der Webseite „Fotogeschichte“ [07.07.2023]; Foto: Dirk Alvermann: Maquette zum Buchprojekt BRD-Polen, 1956, Ausschnitt, Stadtmuseum Düsseldorf, F 50844

Das aktuelle Heft der „Fotogeschichte“ Jg. 43 (Sommer 2023), Nr. 168

KRITIK DER AUTORSCHAFT
Fotografie als kollektives Unternehmen

Hg. von Paul Mellenthin

Foto eines Jungen, der in die Kamera blickt; neben ihm ein Mann, der in Zeitungen blättert, die auf einer Mauer liegen.

Dirk Alvermann: Maquette zum Buchprojekt BRD-Polen, 1956, Ausschnitt, Stadtmuseum Düsseldorf, F 50844; Screenshot der Webseite „Fotogeschichte“ [07.07.2023]

BEITRÄGE

Paul Mellenthin. Fotografie als kollektives Unternehmen. Editorial

Svetlana Alpers: Walker Evans: Starting from Scratch. Conversation with Paul Mellenthin

Megan R. Luke: Der Autor als Ersatzteil. Albert Renger-Patzsch sieht zurück und betrachtet sich selbst

Steffen Siegel: Der Gutachter des Fotografen. Über die Entstehungsbedingungen von Dirk Alvermanns Fotobüchern

Nadya Bair: Made for Distribution. Robert Capa und John Steinbecks Reise in die UdSSR

Douglas R. Nickel: Looking at Photographs. Über die Rezeption und Reaktion

 

FORSCHUNG

Anna Gielas: Eine Botanikerin in der Arktis (zum Bericht)

Michael Diers: Die Schrecken des Ukrainekrieges. Zeigen und Nicht-Zeigen von Gräuel und Gewalt in der Fotografie (zum Bericht)

Ulrich Pohlmann: Mut, sich jenseits des Kanons zu bewegen. Fotografien sammeln, erforschen, zeigen. Ein Gespräch mit dem Fotohistoriker, Kurator und langjährigen Leiter der fotografischen Sammlung im Münchner Stadtmuseum (zum Gespräch)

 

REZENSIONEN

Bernd Stiegler: Julia Skinner: A Grand Spell of Sunshine. The Life and Legacy of Francis Frith, The Francis Frith Collection: Salisbury 2022 (zur Rezension)

Matthias Christen: Phillip Prodger: Face Time. A History of the Photographic Portrait, London: Thames & Hudson 2021 (zur Rezension)

Johanna Hilari: Isa Wortelkamp: Bilder von Bewegung. Tanzfotografie der Moderne, Ilmental-Weinstraße: Jonas Verlag, 2022 (zur Rezension)

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