Privatfotografie im (Kriegs-)Einsatz
Überlegungen zu Kontinuitäten beim deutschen Militär
Durch technische Innovationen und sich wandelnde gesellschaftliche Verhältnisse hat die Privatfotografie[1] im Laufe der Zeit Veränderungen erfahren.[2] Existiert dennoch eine gewisse Kontinuität in dem, was für fotografierenswert erachtet wurde und wird – speziell bei privater fotografischer Praxis von deutschen Soldatinnen und Soldaten?[3] Und wenn ja, in welchen Bereichen der Fotomotive? Wo haben sich durch die zeitlichen Kontexte hingegen Unterschiede ergeben? In diesem Beitrag soll anhand einer Stichprobe ein Stück weit in ein für Deutschland bisher noch nicht erforschtes Feld im Bereich von Visual History und Militärgeschichte hineingeleuchtet werden.[4] Während es sehr umfangreiche Sekundärliteratur zur soldatischen „Knipserei“[5] im Ersten und Zweiten Weltkrieg gibt, ist die Privatfotografie in der Nationalen Volksarmee (NVA) und Bundeswehr bisher insgesamt kaum Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung.[6]
Vorbemerkungen zum untersuchten Quellenmaterial und dem Äthiopien-Einsatz der Bundeswehr und NVA von 1984/85
Dieser Artikel basiert auf Untersuchungen von Bildmaterial, die in den Jahren 2023/24 im Zuge der Vorbereitungen für die Fotoausstellung „Äthiopien ʼ84/85. Privates Fotografieren im militärischen Hilfseinsatz“[7] im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr Flugplatz Berlin Gatow (MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow) gemacht wurden. Bei der Sichtung der für das Projekt zusammengetragenen Aufnahmen fielen rasch Ähnlichkeiten zu verschiedenen Arten von Fotomotiven der soldatischen „Knipser“ aus der Zeit der Weltkriege auf, was den Ausgangspunkt für eine weitergehende Analyse bildete. Dabei sind die zum Teil sehr umfangreichen Fotokonvolute von insgesamt 19 an dem Auslandseinsatz von 1984/85 beteiligten Personen aus den Reihen der Bundeswehr und NVA[8] analysiert sowie mit den bereits grundsätzlich gut erforschten Privatfotos von Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg verglichen worden.[9] Neben dem hier über die reichhaltige Sekundärliteratur zur Verfügung stehenden Fotomaterial wurde dabei auf das Bildarchiv des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr (MHMBw) zurückgegriffen. Die vorläufigen Ergebnisse sind in kürzerer Form bereits als Teil eines Aufsatzes in den zur Ausstellung erschienenen Katalog eingeflossen.[10]
Bezüglich einer Vergleichbarkeit mit den Privatfotografien aus den beiden Weltkriegen ist zu betonen, dass es sich bei dem gleichzeitigen Äthiopien-Einsatz von Bundeswehr und NVA (unterstützt durch die DDR-Fluggesellschaft Interflug)[11] freilich nicht um einen Kriegseinsatz handelte, sondern um humanitäre Hilfe für das damals von einer Hungerkatastrophe heimgesuchte Land. Im Zeitraum von 1983 bis 1985 kam es durch eine besonders starke Dürreperiode in Teilen des Sahel zu einer Hungersnot, die vor allem Äthiopien betraf, wo ein Bürgerkrieg die Situation noch verschlimmert hatte.[12] Die Soldaten aus Ost und West kamen als dringend benötigte Helfer, die einer äthiopischen „Bitte […] um Unterstützung“[13] beziehungsweise einem Appell der Vereinten Nationen gefolgt waren.
Dabei sind die Hilfeleistungen der beiden deutschen Staaten keineswegs rein altruistisch gewesen – die Unterstützung ist über humanitäre Gedanken hinaus im Kontext des damaligen „Wettstreits der Systeme“ zu verstehen.[14] Schließlich fand das Engagement während der letzten Hochphase des Kalten Krieges in einem sozialistisch ausgerichteten[15] Bürgerkriegsland statt. Die Hilfeleistungen waren daher auch mit einem entsprechenden Risiko verbunden.[16] Auf westlicher Seite hatte der Bundesnachrichtendienst (BND) hierauf bereits im Vorfeld des Einsatzes ausdrücklich hingewiesen.[17]
Es ist außerdem zu erwähnen, dass sich Praktiken des Austausches von Bildmaterial zeitübergreifend feststellen lassen.[18] Durch dieses Wandern von Fotografien und das inzwischen erfolgte Ableben mancher der in den Jahren 1984/85 am Hilfseinsatz beteiligten Personen ist bei den untersuchten Aufnahmen nicht immer klar, ob der letzte Besitzer tatsächlich der Fotograf gewesen ist. Es kann daher auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass vereinzelt Bilder von professionellen Fotografinnen und Fotografen, besonders aus den Reihen der damals den Einsatz begleitenden Presse, in die Alben oder Schachteln der Soldaten gelangt sind.
Dies wäre jedenfalls kein Novum, denn in den Weltkriegen fanden derartige Bilder als Ergänzung ebenfalls ihren Weg in die Sammlungen von „Knipsern“.[19] Es ist jedoch davon auszugehen, dass derartiges „Fremdmaterial“ von den Armeeangehörigen wohl wiederum mit individueller Erinnerung aufgeladen wurde. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass die Andenkenfunktion ein zeitübergreifender Beweggrund für private fotografische Praxis von Soldatinnen und Soldaten ist.[20] Die Militärzeit – insbesondere während eines (Kriegs-)Einsatzes – ist schließlich häufig als bedeutsames Element des eigenen Lebenslaufes angesehen worden.[21]
Fotomotive aus dem Kriegs- beziehungsweise Einsatzalltag sowie Inszenierungen der eigenen Person und sozialen Gruppe
Das massenhaft überlieferte private Bildmaterial von Soldaten aus den Weltkriegen zeigt überwiegend einen „militärischen Alltag“.[22] Die Brutalität des Krieges ist hier nicht immer sichtbar. Dies resultiert daraus, dass die Aufnahmen in der Regel in Ruhephasen zwischen Gefechten oder bei rückwärtigen Diensten beziehungsweise im Rahmen von Besatzungsfunktionen[23] entstanden sind. Im Kampf war das „Knipsen“ schließlich lebensgefährlich. Unter anderem in diesem Sinne hieß es 1941 in einem Artikel über das private Fotografieren im Kriegseinsatz: „Für den Soldaten als Amateur ist […] die Photographie nur in der Ruhezeit vorhanden oder in Momenten, wo er sie ohne Beeinträchtigung seines Dienstes ausüben kann, z.B. auf dem Marsch oder Transport oder in Ruhestellung. So ist es natürlich völlig unmöglich, daß der Soldat etwa bei Kampfhandlungen Zeit für Aufnahmen hätte, da seine ganze Aufmerksamkeit und Konzentration seiner militärischen Aufgabe zu gelten hat.“[24] Dies ist zweifellos ein wesentlicher Faktor, in dem die – im weiteren Verlauf skizzierten – Äquivalente zur Fotografie in einem militärischen Einsatz ohne Anwendung von Waffengewalt begründet liegen.
Zu einer Art sich hieraus ergebendem „Motivkanon“[25] der im Ersten und Zweiten Weltkrieg entstandenen Fotografien gehören zunächst Aufnahmen der eigenen Person in Uniform. Hinzukommen unter anderem Einzel- und Gruppenfotos aus dem militärischen Umfeld (Kameraden/Vorgesetzte),[26] Bilder von Geselligkeit/Feierlichkeiten in diesem Kreise, Aufnahmen von Märschen, Fotos vom Leben in provisorischen Unterkünften beziehungsweise im Felde und von dabei überwundenen Widrigkeiten – nicht zuletzt in puncto Körperhygiene und Verpflegung – oder, als Ausdruck von „Waffenstolz“,[27] Aufnahmen vom eigenen Kriegsgerät. Letzteres wurde dabei gerne als Staffage für die bereits erwähnten Personenaufnahmen genutzt (siehe Abb. 2, 4 u. 6).[28]
Auch die untersuchten Fotografien aus dem Äthiopien-Einsatz von Bundeswehr und NVA zeigen vornehmlich eine Art Alltag[29] des Militärs – in diesem Fall eben unter den genannten Rahmenbedingungen eines humanitären Auslandseinsatzes. Dazu gehören Aufnahmen aus dem Lagerleben. Solche Bilder aus dem Einsatzalltag[30] zeigen einmal mehr Improvisationen beziehungsweise ein Trotzen gegen allerlei Widrigkeiten in Bereichen wie Ernährung und Körperhygiene. So wurden beispielsweise eine zum Tisch umfunktionierte Kabeltrommel, das Verpflegungspaket „Einmannpackung“, das Duschen mit einer Wasserflasche oder aber die Reinigung der Wäsche und das Frisieren unter Einsatzbedingungen mit der Kamera festgehalten (siehe Abb. 1 u. 3).[31]

Abb. 1: Soldaten der Bundeswehr kurz nach ihrer Ankunft im äthiopischen Dire Dawa, 1985. Fotograf: ehemaliger Soldat der Bundeswehr © Privatbesitz

Abb. 2: Inszeniertes Gruppenfoto vor einem Unterstand, der am westlichen Kriegsschauplatz
(wohl Flandern in Belgien) von deutschen Soldaten als eine Art Gaststätte gestaltet wurde, 1915/16.
Fotograf unbekannt. Quelle: Sammlung eines nicht bekannten deutschen Kombattanten des Ersten
Weltkrieges / MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow, Inv. Nr. ABAB5296

Abb. 3: Ein Bundeswehrsoldat schneidet einem Kameraden im Camp von Dire Dawa
die Haare, 1985. Fotograf: ehemaliger Soldat der Bundeswehr © Privatbesitz

Abb. 4: „Feldfriseur“ bei einer Einheit der Flakartillerie (Flugabwehrartillerie) der Wehrmacht; bei Vyšný Kubín oder Dolný Kubín (Ober- oder Unterkubin) in der Slowakei, 1. September 1939. Fotograf: Wehrmachtssoldat Wilfried S. Quelle: Sammlung Wilfried S. / MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow, Inv. Nr. ABAB8234
Zeitübergreifende Parallelen zeigen sich zudem – wenig überraschend – bei Aufnahmen der eigenen Person und solchen von Kameraden/Vorgesetzten.[32] Die Bilder entstanden auch in Äthiopien oft im geselligen Rahmen.[33] Das klassisch inszenierte Gruppenfoto als eine Art „traditionelle Form militärischer Selbstdarstellung“[34] erfreute sich in den Jahren 1984/85 ebenfalls großer Beliebtheit. Solche Aufnahmen der sozialen Gruppe stifteten Identität[35] und sind als ein visueller Ausdruck des Wir-Gefühls der Soldaten, sprich der Kameradschaft, zu verstehen.[36] Einen dafür gern gewählten Hintergrund bot wiederum das eigene Großgerät, vor dem man sich stolz präsentierte (siehe Abb. 5). Die Flugzeuge waren aber auch ohne Personen ein häufiges Motiv.[37] An dieser Stelle sei erwähnt, dass im Äthiopien-Einsatz die Regeln zum Fotografieren anscheinend nicht nur bei der Bundeswehr, sondern auch in den Reihen der NVA zumeist recht großzügig gehalten wurden. In den militärischen Sicherheitsbereichen der Heimatstandorte herrschten dagegen klare Fotografierverbote.[38] Zudem bestand ein großes Interesse an den Fluggeräten der jeweiligen Kontrahenten im Kalten Krieg. Sofern kein Sicherheitsrisiko wahrgenommen wurde oder man dieses aus der Distanz für sehr gering erachtete, ist hier ebenfalls der Auslöser gedrückt worden.[39]

Abb. 5: Gruppenbild einer Transall-Besatzung der Bundeswehr vor ihrem Flugzeug (mit Unterschriften der abgebildeten Personen). Auf der Bordwand ist die Abwandlung einer „Abschussliste“ mit Bezug auf Tierkollisionen zu erkennen, 1985. Fotograf: ehemaliger Soldat der Bundeswehr © Privatbesitz

Abb. 6: Der Pilot Walter M. (in der Mitte) mit seinen „liebsten Kameraden“ (Kurt M. und vermutlich Walter S. alias „Stilicho“) vor einer Rumpler B.I; wohl in einer Fliegerschule in Deutschland aufgenommen, 1915. Fotograf unbekannt. Quelle: Sammlung Walter M. / MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow, Inv. Nr. AAAG2007 (beschnitten)
Im Gegensatz zum Kampfgeschehen bot das humanitäre Engagement freilich bessere Möglichkeiten einer risikofreien fotografischen Dokumentation. Der Kernauftrag des herausfordernden Auslandseinsatzes, also der Transport von Hilfsgütern und deren teilweise im riskanten Tiefstflug erfolgter Abwurf, konnte dementsprechend umfangreicher festgehalten werden. So entstanden, wie es ein Zeitzeuge formulierte, „diese tollen Bilder […], die man dann direkt aus’m Flieger gemacht hat. Beim Absetzverfahren.“[40] Die Überwindung von Schwierigkeiten und damit verbundene Improvisationen fanden hier wiederum Niederschlag im Bildmaterial.[41] Die Abwesenheit von typischen (Gewalt-)Fotografien, wie sie in den Weltkriegen nach Kampfhandlungen entstanden,[42] stellt darüber hinaus erwartungsgemäß einen zentralen Unterschied dar.
Touristische Fotomotive – Krieg und Auslandseinsatz als „Reise“
Einen sehr bedeutsamen[43] Anteil der Fotos aus den Weltkriegen bildet das Material, das den „Krieg als Reise“[44] zeigt (siehe Abb. 8 u. 10). Aufnahmen, die einen touristischen Blick widerspiegeln, stellen – wie auch Fotografien aus dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan (2001-2021) belegen – eine bis in die jüngste Zeitgeschichte reichende Konstante im Bildrepertoire von Soldatinnen und Soldaten dar.[45] Bei diesen Fotomotiven haben wir es deutlich weniger mit einem „militärischen Blick“[46] zu tun, sondern eher mit „Knipserfotos“, die sich in ähnlicher Form in Urlaubsalben von Zivilpersonen finden lassen.[47]
Die entsprechenden Aufnahmen aus Äthiopien zeigen den Einsatz daher ebenfalls als eine Art „Reise“. Schließlich war ein Aufenthalt am Horn von Afrika in der Mitte der 1980er Jahre für Deutsche aus Ost, aber auch aus West, keineswegs etwas Normales.[48] Ein damals an der Hilfsaktion beteiligter Bundeswehrsoldat sagte im Zeitzeugengespräch: „[I]ch fand das natürlich sehr […] interessant! Ja? Das zu sehen! Wann hat man schon mal die Gelegenheit, da hinzukommen.“[49] Eine Entsendung in ferne Länder, die nicht zu den üblichen Zielen des Tourismus zählen, gilt sicherlich für viele Soldatinnen und Soldaten bis zum heutigen Tage als etwas Besonderes.[50]

Abb. 7: Der Gewürzmarkt in Dire Dawa, 1985. Fotograf: ehemaliger Soldat der Bundeswehr © Privatbesitz

Abb. 8: Alltagsszene im nordafrikanischen Libyen (Marktpassage?); im Fotoalbum ist das Bild mit weiteren Aufnahmen unter der Überschrift „Orientalische Stimmungsbilder“ zusammengefasst, 1941/42. Fotograf unbekannt. Quelle: Sammlung eines nicht bekannten Soldaten des „Deutschen Afrikakorps“ / MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow, Inv. Nr. ABAB1713

Abb. 9: Äthiopische Kinder bei einem Schneider in Dire Dawa, 1985. Fotograf: ehemaliger Soldat
der Bundeswehr © Privatbesitz

Abb. 10: Kind in Libyen, 1941/42. Fotograf unbekannt. Quelle: Sammlung eines nicht bekannten
Soldaten des „Deutschen Afrikakorps“ / MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow, Inv. Nr. ABAB1713
Während der Hilfeleistung in Äthiopien hatten die Einsatzkräfte immer mal wieder zeitliche Freiräume, um „sich was an[zu]gucken“.[51] So finden sich in den untersuchten Konvoluten viele Fotos, die „Land und Leute“ zeigen (siehe Abb. 7 u. 9).[52] Mit der Kamera wurden neugierig die Schönheit Äthiopiens und als landestypisch respektive „exotisch“ Empfundenes eingefangen. Fotos von Stränden, Palmen, Wasserfällen, Kamelen, Märkten oder Torbögen in einer Altstadt muten dabei wie ganz normale Urlaubsbilder an.[53] Solche Aufnahmen zeigen also nicht, dass sich die Soldaten in einem Bürgerkriegsland befanden, dessen Bevölkerung in Teilen[54] unter einer gewaltigen Hungersnot litt. Ähnlich verhielt es sich auch mit derartigem Bildmaterial aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, welches das Grauen der Zeit ausblendete und so einen positiven Kontrast bilden konnte.[55] Ein auffälliger Unterschied zu touristisch geprägten Aufnahmen aus den Weltkriegen ist hier, dass die Soldaten 1984/85 – die eben nicht im Kriegseinsatz und keine Besatzungstruppen waren – in ziviler Kleidung vor als fotogen erachteten Motiven posieren konnten (siehe Abb. 11).

Abb. 11: Ein Bundeswehrsoldat in Zivilkleidung im Stadtzentrum von Dire Dawa, 1985. Fotograf: ehemaliger Soldat der Bundeswehr © Privatbesitz

Abb. 12: Luftwaffensoldaten der Wehrmacht posieren im besetzten Paris vor dem Eiffelturm, 1940.
Fotograf unbekannt. Quelle: Sammlung des Wehrmachtssoldaten Günter K. / MHMBw Flugplatz
Berlin-Gatow, Inv. Nr. ABAB8041
Die Fotografien aus Äthiopien dienten den Beteiligten einmal mehr als visueller Beweis und Hilfsmittel der Kommunikation[56] gegenüber ihrem persönlichen Umfeld – und zwar wiederum bezüglich unterschiedlichster Facetten des Einsatzes, also nicht nur hinsichtlich der positiv konnotierten Eindrücke aus der Freizeit. Ein damals nach Äthiopien entsandter Bundeswehrsoldat sagte rückblickend in diesem Zusammenhang: „[M]an hat ja einige Filme verschossen, dann konnt man auch mit Bildern […] zeigen: Horch zu, schau, so hat des ausgeguckt! Das ham mir gemacht!“[57]
Neben einer solchen Kommunikations- und Belegfunktion wird bei der Entstehung der in den Konvoluten aus Äthiopien durchaus auch zu findenden Aufnahmen von Hunger und Elend[58] oftmals Mitgefühl und eine damit verbundene Verarbeitung[59] des Leids eine Rolle gespielt haben. Sicherlich hat hier aber zuweilen auch eine Art von Schaulust zur Betätigung des Auslösers geführt. Letzteres ist in der Reisefotografie insgesamt nichts Ungewöhnliches.[60] Im untersuchten Material aus Äthiopien schimmert jedenfalls eine gewisse „Idyllisierung des Elends“[61] durch. Zudem machen in einzelnen Fällen die Hände vor den Gesichtern aufgenommener Personen deutlich, dass die Menschen nicht fotografiert werden wollten.[62] Eine damit verbundene Verletzung der Persönlichkeitsrechte reiht sich in die unrühmliche Tradition der Kolonialfotografie ein.[63]
Manche der in den Jahren 1984/85 in Äthiopien gemachten Aufnahmen reproduzieren verbreitete Klischees über „Afrika“;[64] auch hinsichtlich einer vermeintlich kulturellen Rückständigkeit, bei der in den Vorstellungswelten und Darstellungen Strohhütten eine zentrale Rolle spiel(t)en.[65] Bilder, die auf der Suche nach fotogener „Exotik“ entstanden sind, können dabei unbewusst von einem überlieferten Gemenge kolonial geprägter Stereotype geleitet gewesen sein. Rassismus hat schließlich „ein komplexes Netzwerk an Strukturen“ und Gewissheiten erzeugt, welches „uns […] sozialisiert und prägt“.[66]
Es gilt zudem, den Entstehungszeitraum des Bildmaterials zu berücksichtigen: Der Zweite Weltkrieg lag gerade einmal vier Jahrzehnte zurück. Die Menschen in beiden deutschen Staaten waren in den 1980er Jahren noch deutlich weniger für alltägliche rassistische Diskriminierung sensibilisiert als heute,[67] auch wenn dieses Problem keineswegs überwunden ist. Dass sich in diesem Zusammenhang etwas an der Sicht von damals beteiligten Soldaten geändert hat, lassen die geführten Zeitzeugengespräche vermuten. Dabei gaben nämlich einige Interviewpartner an, dass man heute bestimmte Dinge nicht mehr sagen würde.[68]
Zwischenergebnis und Ausblick
Privatfotografie begleitet deutsche Armeeangehörige seit der Zeit des Kaiserreichs: von den ersten tragbaren Kameras bis zum Smartphone. Trotz der enormen Unterschiede in den Kontexten und einer grundsätzlichen Vielfalt[69] von „Knipserinnen“ und „Knipsern“ lassen sich bei Erinnerungsfotos aus (Kriegs-)Einsätzen von deutschen Militärangehörigen zeitübergreifend einige Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Fotomotive feststellen. Dies ist der vorläufige Befund auf Basis der ausgewerteten Bildquellen aus dem Äthiopien-Einsatz von Bundeswehr und NVA. In den Bereichen des Kriegs- beziehungsweise Einsatzalltags mit seinen Besonderheiten und Widrigkeiten, bei den Inszenierungen der eigenen Person und sozialen Gruppe sowie auf dem Gebiet der touristischen Blicke deutet sich hier ein recht zeitstabiles Bildrepertoire an,[70] was aber noch künftiger Forschung mit einer tiefergehenden Analyse bedarf.
Es ist zu vermuten, dass eine derartige, sich teilweise abzeichnende Kontinuitätslinie aus einer Mischung von grundlegenden militärischen Rahmenbedingungen und Erfahrungsebenen, traditionellen soldatischen Mustern der Inszenierung sowie zeitübergreifenden menschlichen Bedürfnissen hinsichtlich fotografischer Erinnerungsstücke resultiert. Hinzukommt, dass sich Kampfhandlungen nur unter Lebensgefahr auf Film bannen ließen – zumindest bis zur Einführung von Action-Cams.[71] Dies begründet die Ähnlichkeiten zwischen großen Teilen von „Knipserbildern“ aus den beiden Weltkriegen und der Privatfotografie in einem Einsatz ohne Anwendung von Waffengewalt. Was im analysierten Material aus Äthiopien jedoch erwartungsgemäß fehlt, sind die typischen Aufnahmen, die nach Kämpfen entstanden und dementsprechende Darstellungen von Gewalt und Tod enthalten können.
Die Untersuchung der „Themen- und Motivtraditionen“[72] bei der Privatfotografie im deutschen Militär bietet noch viel Potenzial für künftige Forschungen. Dazu gehören unter anderem folgende Fragestellungen: Zieht sich die Motivwahl lückenlos durch die lange Einsatzgeschichte[73] der Bundeswehr? Wie haben sich die Kriegs- und Gewalterfahrungen der späteren Auslandseinsätze, ganz besonders in Afghanistan, auf das Bildmaterial ausgewirkt? Wann und wo galten in den unterschiedlichen Einsätzen Fotografierverbote, und wie wurden diese kontrolliert, sanktioniert und letztlich beachtet?[74] Welche Praktiken von „Knipserei“ gab es – trotz der grundsätzlich strengen Regelungen bezüglich Fotografie innerhalb geschlossener militärischer Anlagen – im Kasernenalltag und Übungsbetrieb? Sind dabei Unterschiede zwischen NVA und Bundeswehr festzustellen? Lassen sich durch die Soldatinnen in der NVA[75] und später auch in der Bundeswehr[76] relevante geschlechtsspezifische Abweichungen zu primär maskulinen Blicken[77] und Selbstinszenierungen der vorherigen Jahrzehnte erkennen? Wirkt(e) sich in der Bundeswehr das zentrale Wertekonzept der „Inneren Führung“ mit dem „Leitbild des mündigen Staatsbürgers in Uniform“[78] auf die private Bildpraxis aus? Ist in der Privatfotografie beim Militär mehr Kontinuität gegeben als bei der „Knipserei“ im zivilen Bereich, da die „jeweils dominanten kulturellen Bedingungen“[79] der Zeit in die Strukturen des Militärs weniger hineinwirkten? Und welche Auswirkungen hat(te) der Gebrauch von Smartphone-Kameras und Action-Cams sowie die Verbreitung über soziale Medien[80] auf die private fotografische Praxis in der Bundeswehr?[81]
[1] Gemeint sind hier Aufnahmen für private Zwecke, die dementsprechend von einer offiziellen (Propaganda-)Fotografie des Militärs bzw. staatlicher Institutionen abzugrenzen sind; vgl. hierzu auch bereits Edgar Neumann, Der Amateurphotograph als Soldat, in: Karl Weiss (Hg.), Das Gesicht des Krieges (Deutscher Kamera-Almanach 31), Berlin 1941, S. 52-58, hier S. 52; Christian Rödig, Die private Front. Fotografien deutscher Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg, Hamburg 2012, S. 12. Teilweise wird die Privatfotografie noch unterschieden in „Knipserei“ und „ambitionierte […] Amateurfotografie“, siehe Michael Sauer, Fotografie als historische Quelle, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 53 (2002), H. 10, S. 570-593, hier S. 584.
[2] Jens Jäger schreibt in diesem Zusammenhang: „Die private Praxis […] hat sich über die letzten anderthalb Jahrhunderte verändert und ist von den jeweils dominanten kulturellen Bedingungen in einer Gesellschaft oder sozialen Schicht abhängig.“ Jens Jäger, Photographie: Bilder der Neuzeit. Einführung in die Historische Bildforschung, Tübingen 2000, S. 155. Vgl. auch Cord Pagenstecher, Reisekataloge und Urlaubsalben. Zur Visual History des touristischen Blicks, in: Gerhard Paul (Hg.), Visual History. Ein Studienbuch, Göttingen 2006, S. 169-187, hier S. 181; Claudia Valeska Czycholl, Bilder des Fremden. Visuelle Fremd- und Selbstkonstruktionen von Migrant*innen in der BRD (1960-1982), Bielefeld 2020, S. 51. Marita Krauss schreibt von „gewisse[n] Trends der privaten Fotografie […].“ Marita Krauss, Kleine Welten. Alltagsfotografie – die Anschaulichkeit einer „privaten Praxis“, in: Paul, Visual History, S. 57-75, hier S. 58.
[3] Hinsichtlich der Privatfotografie beim Militär ist grundsätzlich zu bedenken, dass je nach zeitlichem Kontext und Ort unterschiedliche Regularien bis zu Verboten galten und gelten.
[4] Diesen Kontinuitäten wurde für Deutschland bisher noch nicht systematisch in einer eigenen Studie nachgespürt. Mit Blick auf britisches, US-amerikanisches und israelisches Bildmaterial für Kriege nach 1945 sowie – ausgehend vom Abu-Ghraib-Folterskandal – mit stärkerer Gewichtung auf die fotografische Darstellung von Gewalt und Gräueltaten ist folgende Publikation maßgeblich: Janina Struk, Private Pictures. Soldiers’ Inside View of War, London 2011. Auf Fotos aus der Hand deutscher Soldaten bezieht sich die Dokumentarfotografin Janina Struk dabei lediglich im Kontext des Ersten und Zweiten Weltkrieges.
[5] Dieser Ausdruck ist wie das Substantiv „Knipser“ bzw. „Knipserin“ hier keinesfalls abfällig gemeint. Die Begriffe dienen im Folgenden als Bezeichnung für privat fotografierende Personen sowie deren Praxis und Ergebnisse. Zur wissenschaftlichen Etablierung/Nutzung dieser Begrifflichkeiten siehe z.B. Timm Starl, Knipser. Die Bildgeschichte der privaten Fotografie in Deutschland und Österreich von 1880 bis 1980, München 1995; Pagenstecher, Reisekataloge, S. 181.
[6] Es existieren hierzu bisher keine umfassenden Studien. Hinsichtlich der „Knipserei“ von Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Afghanistan-Einsatz liegt aber ein wertvoller Aufsatz von Melina Scheuermann vor; siehe Melina Scheuermann, Bilder des Alltäglichen im Krieg. Private Fotografien von Bundeswehrsoldat*innen aus dem ISAF-Einsatz in Afghanistan, in: Visual History, 19.07.2018, https://www.visual-history.de/2018/07/19/bilder-des-alltaeglichen-im-krieg/ [10.04.2026]. Der Frage bezüglich Kontinuitäten von „Knipserei“ beim deutschen Militär wurde dabei jedoch nicht nachgegangen. Darüber hinaus sind Publikationen mit privaten Bildquellen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus den Auslandseinsätzen der Bundeswehr zu erwähnen („Einsatzliteratur“). Für den regulären Dienst- und Übungsbetrieb liegen zudem wenige Bildbände mit privatem Quellenmaterial vor; siehe z.B. Jens Hill, Die Bundeswehr – Von Nato-Ziege und Co. 1955-1966. Eine Bilderreise durch die frühen Jahre der Bundeswehr, Bd. 2, Herne 2016, oder für die NVA: Dietrich Biewald, Pioniere der 8. Mot.-Schützendivision der NVA im Bild. Eine Sammlung privater Fotos aus dem Besitz ehemaliger Angehöriger der 8. MSD, Pinnow (bei Schwerin) 2016; das letztgenannte Buch enthält entgegen dem Titel jedoch auch viele offizielle Fotografien. Im Jahr 2024 ist außerdem ein Sammelband erschienen, der „sich als ein Beginn zur Erforschung privater Fotografie in Ostdeutschland [versteht]“. Siehe Friedrich Tietjen, Private Fotografie in Ostdeutschland 1980-2000. Eine Einführung, in: ders. (Hg.), „… irgendwer hat immer fotografiert …“ Private Fotografie in Ostdeutschland 1980-2000, Leipzig 2024, S. 5-22, hier S. 14. Dafür wurden auch Fotos herangezogen, die ein ehemaliger Offizier der NVA gemacht hat; ebd. S. 6.
[7] Siehe die Webseite zur Ausstellung: https://www.mhm-gatow.de/de/ausstellungen/aethiopien-fotografien [10.04.2026].
[8] Hier sei erwähnt, dass bei dem Quellenkorpus ein Übergewicht an Material aus der Bundeswehr bestand. Es handelte sich zudem ausschließlich um Männer – Frauen waren damals weder von der NVA noch durch die Bundeswehr in das Einsatzland entsendet worden.
[9] „Quantitative Inhaltsanalysen sind problematisch […]. Sie sind aber hilfreich, um Themen und Motiv-Schwerpunkte zu ermitteln […].“ Cord Pagenstecher, Private Fotoalben als historische Quelle, in: Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History 6 (2009), H. 3, S. 449-463, hier S. 454, https://zeithistorische-forschungen.de/3-2009/4629 [10.04.2026].
[10] Dieser Artikel basiert daher in großen Teilen auf Abschnitten aus Markus Evers, „Man hat ja einige Filme verschossen“ – zur Privatfotografie beim Militär, in: Ralf-Gunter Leonhardt/Rudolf J. Schlaffer (Hg.), Äthiopien ʼ84/85. Privates Fotografieren im militärischen Hilfseinsatz (Texte und Materialien; 24), Berlin 2024, S. 7-18; Anmerkungsapparat S. 113-124.
[11] Das beteiligte Personal der Interflug wurde hierfür dem Militär unterstellt; vgl. auch Klaus Storkmann, Geheime Solidarität. Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die „Dritte Welt“, Berlin 2012, S. 343; Klaus Breiler, Vom Fliegen und Landen. Zur Geschichte der ostdeutschen Luftfahrt, Leipzig 2012, S. 206 u. 208.
[12] Vgl. z.B. Markus Evers, „Live Aid“, Hilfsflüge und Kalter Krieg (13. Juli 1985), in: Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung 3 (2025), S. 28, https://zms.bundeswehr.de/resource/blob/5960756/ce77ec50731d8dde08db2768dd6abd42/zeitschrift-data.pdf [10.04.2026].
[13] Vermerk über ein Gespräch zwischen Gerd König, dem Stellvertreter des DDR-Ministers für Auswärtige Angelegenheiten, und dem äthiopischen Botschafter Berhanu Jembere vom 29.10.1984; Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes (PA AA), M 31 2096 88, AZ 4005; vgl. auch z.B. Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten: Ländermappe sozialistisches Äthiopien (Stand Juni 1985), S. 5; PA AA, M 31 7189 90.
[14] Zu den diesbezüglichen Intentionen siehe auch Evers, „Live Aid“, S. 28; ders., „Man hat ja einige Filme verschossen“, S. 11 u. 119 (Endnote 75).
[15] Äthiopien nahm damals „Kurs auf den Sozialismus“; o.V., Gemeinsam für den Frieden, in: Neue Berliner Illustrierte 38 (1984), S. 2-3, hier S. 2.
[16] Lagebeurteilung des Bundesnachrichtendienstes (BND) für das Bundesministerium der Verteidigung vom 30.10.1984 (33 F-0105/84 VS-NfD); Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA), BW 1/257562.
[17] Dort hieß es u.a., man könne nicht ausschließen, dass „Hilfstransporte durch die Befreiungsbewegungen bekämpft werden“. Ebd. Hinzu kam, dass das Engagement der Soldaten mit „hohen psychischen und physischen Belastungen“ verbunden gewesen sei, wie man – nach einigen Monaten Einsatzerfahrung in Äthiopien – bei der Bundeswehr aus militärärztlicher Sicht zu bedenken gab. Deshalb wurde aus dieser Richtung auch von einer Verlängerung des Engagements der Luftwaffe abgeraten; „Bewertung der Hilfseinsätze in Äthiopien und im Sudan aus truppen- bzw. fliegerärztlicher Sicht“ vom 24.06.1985 (Az. 10-51-91); BArch-MA, BL 19/342. Zur Konfrontation des Personals aus der DDR mit dem Bürgerkrieg siehe Storkmann, Geheime Solidarität, S. 345.
[18] Für das Tauschen von Bildmaterial im Zweiten Weltkrieg vgl. z.B. Fr. F. Faull, Die Kamera im Felde, in: Fotografische Rundschau und Mitteilungen 77 (1940), S. 64-65, hier S. 64; Petra Bopp/Sandra Starke, Fremde im Visier – Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg, Bielefeld 2009, S. 15; Petra Bopp, Fremde im Visier. Private Fotografien von Wehrmachtssoldaten, in: Anton Holzer (Hg.), Mit der Kamera bewaffnet. Krieg und Fotografie, Marburg 2003, S. 97-117, hier S. 106 u. 115.
[19] Vgl. z.B. Bopp/Starke, Fremde im Visier, S. 15 u. 47.
[20] Siehe Evers, „Man hat ja einige Filme verschossen“, S. 8-9; als Beispiel für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan vgl. Scheuermann, Bilder des Alltäglichen im Krieg.
[21] Vgl. z.B. Silke Göttsch, „Der Soldat, der Soldat ist der erste Mann im Staat …“ Männerbilder in volkstümlichen Soldatenliedern 1855-1875, in: Ruth-E. Mohrmann/Volker Rodekamp/Dietmar Sauermann (Hg.), Volkskunde im Spannungsfeld zwischen Universität und Museum, Münster 1997, S. 109-124, hier S. 112; Bodo von Dewitz, Schießen oder fotografieren? Über fotografierende Soldaten im Ersten Weltkrieg, in: Fotogeschichte 43 (1992), S. 49-60, hier S. 50-51 u. 54; Ulrike Schmiegelt, „Macht euch um mich keine Sorgen …“, in: Peter Jahn/Ulrike Schmiegelt (Hg.), Foto-Feldpost. Geknipste Kriegserlebnisse 1939-1945, Berlin 2000, S. 23-31, hier S. 23.
[22] Peter Jahn, Bilder im Kopf – Bilder auf dem Papier, in: ders./Schmiegelt (Hg.), Foto-Feldpost, S. 8-12, hier S. 9-10; vgl. auch Petra Bopp, „Wir glauben an die Objektivität der Kamera.“ Private Fotografie der Wehrmachtsoldaten im Zweiten Weltkrieg, in: Svea Hammerle/Hans-Christian Jasch/Stephan Lehnstaedt (Hg.), 80 Jahre danach. Bilder und Tagebücher deutscher Soldaten vom Überfall auf Polen 1939, Berlin 2019, S. 69-85, hier S. 78 u. 82; Anne-Katrin Koch, „Aus großer Zeit“. Kriegserinnerungen in Fotoalben aus dem Ersten Weltkrieg, in: Evamarie Blattner/Nils Büttner/Wiebke Ratzeburg (Hg.), Der fotografierte Krieg. Der Erste Weltkrieg zwischen Dokumentation und Propaganda, Tübingen 2014, S. 63-76, hier S. 70 u. 72, https://www.stadtmuseum-tuebingen.de/wp-content/uploads/2024/06/Der-fotografierte-Krieg.pdf [10.04.2026]; Irmgard Zündorf, „Stumme Zeugnisse 1939“. Ein studentisches Projekt zur Erinnerung an den deutschen Überfall auf Polen, in: Hammerle/Jasch/Lehnstaedt (Hg.), 80 Jahre danach, S. 97-107, hier S. 105; Gerd Koenen, Der Russland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900-1945, München 2005, S. 433.
[23] Hinter der Front, wo nicht mehr oder kaum noch gekämpft wurde.
[24] Neumann, Der Amateurphotograph als Soldat, S. 52. Zur hiermit verbundenen Lebensgefahr siehe auch z.B. Ernst Jünger, In Stahlgewittern. Ein Kriegstagebuch, Hamburg 141933, S. 62.
[25] So mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg: Schmiegelt, „Macht euch um mich keine Sorgen …“, S. 26-27; Rödig, Die private Front, S. 69; Zündorf, „Stumme Zeugnisse 1939“, S. 104-105; Dewitz, Schießen oder fotografieren?, S. 54; Svea Hammerle, Ein Fotokonvolut zum Überfall auf Polen. Die Aufnahmen des Batterieführers Kurt Seeliger, in: dies./Jasch/Lehnstaedt (Hg.), 80 Jahre danach, S. 109-133, hier S. 131.
[26] „Eine der größten Gruppen in der privaten Kriegsfotografie bilden die Fotos von Kameraden und den nächsten Vorgesetzten […]“. Schmiegelt, „Macht euch um mich keine Sorgen …“, S. 27.
[27] Siehe zur Herausbildung auch z.B. Urte Evert, Die Eisenbraut. Symbolgeschichte der militärischen Waffe von 1700 bis 1945, Münster 2015, S. 113, 121, 123-124, 134, 137, 141 u. 150.
[28] Siehe hierzu die Literaturhinweise im Anmerkungsapparat von Evers, „Man hat ja einige Filme verschossen“, S. 115-116 (Endnoten 29-34).
[29] Melina Scheuermann resümiert bezüglich späterer Fotos von Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr aus Afghanistan: „Die Darstellung des Einsatzalltags findet somit hauptsächlich in seiner Abgrenzung zum Alltag in der Heimat statt und kann als der andere Alltag bezeichnet werden.“ Scheuermann, Bilder des Alltäglichen im Krieg.
[30] Siehe hierzu auch ebd. Als weiteres Beispiel für diesbezügliche Kontinuitäten bis in die jüngste Zeitgeschichte vgl. entsprechende Fotos bei Markus Götz, „Hier ist Krieg!“ Afghanistan-Tagebuch 2010, hg. v. Christian Hartmann, Göttingen 2021, S. 129, 202 u. 206.
[31] Siehe die Beispiele bei Leonhardt/Schlaffer (Hg.), Äthiopien ʼ84/85, S. 35, 38-39 u. 41.
[32] Auch Janina Struk stellt diese Kontinuität hinsichtlich der Fotos von Kameraden („pictures of colleagues“) fest. Struk, Private Pictures, S. XV. Hier gilt es zu bedenken, dass Aufnahmen von Einzelpersonen und Gruppenbilder ganz allgemein zu den „beliebtesten Sujets der privaten Fotografie“ zähl(t)en: Sandra Starke, Fenster und Spiegel. Private Fotografie zwischen Norm und Individualität, in: Historische Anthropologie 19 (2011), H. 3, S. 447-474 , hier S. 465-466, https://www.vr-elibrary.de/doi/epdf/10.7788/ha.2011.19.3.447 [10.04.2026].
[33] Vgl. zur diesbezüglichen Kontinuität auch Struk, Private Pictures, S. XV.
[34] Alexander Michel, Von der Fabrikzeitung zum Führungsmittel. Werkzeitschriften industrieller Großunternehmen von 1890 bis 1945, Stuttgart 1997, S. 102; vgl. auch Gitta Bertram, Soldatenporträts im Ersten Weltkrieg, in: Blattner/Büttner/Ratzeburg (Hg.), Der fotografierte Krieg, S. 103-115, hier S. 105 u. 108-114; Bernd Hüppauf, Medien des Krieges, in: Stefan Kaufmann/Lars Koch/Niels Werber (Hg.), Erster Weltkrieg. Kulturwissenschaftliches Handbuch, Stuttgart 2014, S. 311-339, hier S. 333; Neumann, Der Amateurphotograph als Soldat, S. 54-56; Hill, Die Bundeswehr, S. 4, 23-25, 38, 44, 60, 78, 97 u. 121, sowie Götz, „Hier ist Krieg!“, S. 360. Hierbei spiel(t)en allerdings auch immer wieder professionelle Fotografinnen und Fotografen eine Rolle.
[35] Scheuermann, Bilder des Alltäglichen im Krieg.
[36] Vgl. mit Blick auf davorliegende Zeiten auch z.B. Michel, Von der Fabrikzeitung zum Führungsmittel, S. 102; Daniela Neuser, Der Krieg als Reise – Private Fotografien und Feldpostkarten, in: Sabiene Autsch (Hg.), Der Krieg als Reise. Der Erste Weltkrieg – Innenansichten, Siegen 1999, S. 86-103, hier S. 88; Bertram, Soldatenporträts im Ersten Weltkrieg, S. 108-109 u. 112-114; Niels Büttner, Zur Wahrnehmungs- und Deutungsgeschichte der Kriegsfotografie 1914-1918, in: ders./Blattner/Ratzeburg (Hg.), Der fotografierte Krieg, S. 23-37, hier S. 24. In diesem Zusammenhang gilt es außerdem zu berücksichtigen, dass „der Zusammenhalt in einem Auslandseinsatz [nicht selten] als tiefere Gemeinschaft empfunden [wird] als die soziale Gruppe in der Heimat […]“. Gerhard Kupper, Führen im Einsatz, in: Sven Bernhard Gareis/Paul Klein (Hg.), Handbuch Militär und Sozialwissenschaft, Wiesbaden 22006, S. 283-293, hier S. 289.
[37] Siehe auch die Beispiele bei Leonhardt/Schlaffer (Hg.), Äthiopien ʼ84/85, S. 77, 82, 84-85, 87-88 u. 92.
[38] Zum damaligen Umgang mit der Fotografie bei der Bundeswehr und NVA siehe Evers, „Man hat ja einige Filme verschossen“, S. 120-121 (Endnoten 88 u. 92).
[39] Siehe das Beispiel bei Leonhardt/Schlaffer (Hg.), Äthiopien ʼ84/85, S. 83. Vgl. dazu auch Zeitzeugengespräche mit den damaligen Bundeswehrsoldaten F. und H. (technischer Wart / Flugzeugmechaniker für die Transall C-160) am 09.11.2021 in Kaufbeuren (archiviert beim MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow).
[40] Zeitzeugengespräch mit dem damaligen Bundeswehrsoldaten F. (technischer Wart für die Transall C-160) am 09.11.2021 in Kaufbeuren (archiviert beim MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow). Siehe die Beispiele bei Leonhardt/Schlaffer (Hg.), Äthiopien ʼ84/85, S. 102-104 u. 106-111.
[41] Siehe die Beispiele bei ebd., S. 89-91, 93, 99 u. 101.
[42] Siehe zu dieser Art von Bildmaterial aus den Weltkriegen z.B. Evers, „Man hat ja einige Filme verschossen“, S. 9-10 und den dazugehörigen Anmerkungsapparat auf S. 116-118. Speziell zu Aufnahmen von Kriegstoten siehe auch Christoph Rass/Jens Lohmeier, Der Körper des toten Soldaten: Aneignungsprozesse zwischen Verdrängung und Inszenierung, in: Dominik Groß/Jasmin Grande (Hg.), Objekt Leiche. Technisierung, Ökonomisierung und Inszenierung toter Körper, Frankfurt a.M. 2010, S. 271-333, hier S. 318-323. Die dort beschriebenen Beispiele aus verschiedenen Kriegen deuten darauf hin, dass es bei der Fotografie von Leichen ebenfalls Kontinuitäten gibt; vgl. ebd., S. 318-320.
[43] Vgl. z.B. Dewitz, Schießen oder fotografieren?, S. 57; Bopp/Starke, Fremde im Visier, S. 11 u. 39.
[44] Siehe hierzu ausführlich: Autsch, Der Krieg als Reise; Charlotte Heymel, Touristen an der Front. Das Kriegserlebnis 1914-1918 als Reiseerfahrung in zeitgenössischen Reiseberichten, Berlin 2006, und die komprimierte Darstellung von Xenia Brönnle, „… man hat was gesehen von der Welt“ – Krieg als Reise, in: Dorothee Pesch (Hg.), Reiseandenken. Was vom Urlaub übrig bleibt, Gessertshausen 2012, S. 18-21. In lebensbedrohlichen Situationen verlor ein Kriegseinsatz freilich wieder sehr schnell seinen „scheinbaren Reisecharakter“; ebd., S. 18. „Aus moralischer Sicht wurde jedoch der Vorwurf der Verharmlosung gegen diesen Vergleich erhoben […].“ Martin Baumeister, Große und kleine Bagage. Militärisches Reisegepäck im 19. und 20. Jahrhundert, in: Georg Ulrich Großmann/Claudia Selheim (Hg.), Reisebegleiter – mehr als nur Gepäck, Nürnberg 2010, S. 142-152, hier S. 143, https://books.ub.uni-heidelberg.de//arthistoricum/catalog/book/453/chapter/6382 [10.04.2026].
[45] Zu touristischen Fotos aus dem Einsatz in Afghanistan siehe Scheuermann, Bilder des Alltäglichen im Krieg. Vgl. zu diesbezüglichen Kontinuitäten bereits eine Randbemerkung bei Sabine Küntzel, Kolonialismus im Krieg. Die Kriegserfahrung deutscher Wehrmachtsoldaten im Nordafrikafeldzug, 1941-1943, Bielefeld 2023, S. 219 (Fußnote 129). Bezüglich britischen und US-amerikanischen Soldaten in Kriegen nach 1945 attestiert dies auch Janina Struk: „The tourist in uniform is a recurrent theme among soldiers‘ pictures.“ Struk, Private Pictures, S. XV.
[46] Siehe hierzu z.B. Maria Schindelegger, Die Armierung des Blickes. Margaret Bourke-Whites Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg, Berlin 2017, S. 143.
[47] Vgl. Brönnle, „… man hat was gesehen von der Welt“, S. 18, und Scheuermann, Bilder des Alltäglichen im Krieg; siehe zu diesen allgemeinen Urlaubsfotos auch z.B. Pagenstecher, Reisekataloge und Urlaubsalben, S. 181-184. Es sei noch angemerkt, dass besonders im Zweiten Weltkrieg zur touristischen Perspektive ein „Eroberungsblick“ hinzukommen konnte; Bopp, Fremde (2003), S. 109; vgl. Starl, Knipser, S. 115 u. 117.
[48] Vgl. z.B. die Grafik der „Internationale[n] Touristenankünfte 1980-2019 nach Regionen“ bei Susanne Egermeier u.a., Tourismus in Entwicklungs- und Schwellenländer, Seefeld 2021, S. 5.
[49] Zeitzeugengespräch mit dem damaligen Bundeswehrsoldaten H. (Flugzeugmechaniker für die Transall C-160) am 09.11.2021 in Kaufbeuren (archiviert beim MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow). Zur Attraktivität des Einsatzes für Soldaten der NVA vgl. Storkmann, Geheime Solidarität, S. 346.
[50] Vgl. hierzu auch bereits Bernhard Chiari, Krieg als Reise? Neueste Militärgeschichte seit 1990 am Beispiel des militärischen und sicherheitspolitischen Wandels in Deutschland, in: ders. (Hg.), Auftrag Auslandseinsatz. Neueste Militärgeschichte an der Schnittstelle von Geschichtswissenschaft, Politik, Öffentlichkeit und Streitkräften, Freiburg i.Br. 2012, S. 13-40, hier S. 31-32.
[51] Zeitzeugengespräch mit dem damaligen Bundeswehrsoldaten F. (technischer Wart für die Transall C-160) am 09.11.2021 in Kaufbeuren; vgl. auch Interviews mit den ehemaligen Bundeswehrsoldaten H. (zeitweise Kommandoführer in Äthiopien) und W. (technischer Wart für die Transall C. 160) am 09. u. 10.11.2021 in Kaufbeuren (archiviert beim MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow).
[52] Vgl. zur Kontinuität bei der „Faszination für indigene Völker“ („fascination for indigenous peoples“) auch Struk, Private Pictures, S. XV.
[53] Siehe die Beispiele bei Leonhardt/Schlaffer (Hg.), Äthiopien ʼ84/85, S. 51, 52, 55 u. 64.
[54] Besonders in den nördlichen Regionen hungerten die Menschen damals; siehe z.B. die Informationen zur humanitären Lage in einem Vermerk des Diplomaten Bernd Fischer; PA AA, B 45 ZA 146174.
[55] Vgl. auch Ulrich Hägele (Hg.), Walter Kleinfeldt. Fotos von der Front 1915-1918, Münster 2014, S. 103, oder Feldpostbrief von Friedrich Spemann an seine Mutter vom 04.08.1916, Museumsstiftung Post und Telekommunikation (MSPT), Nr. 3.2002.9143, https://www.briefsammlung.de/feldpost-erster-weltkrieg/brief.html?action=detail&what=letter&id=1697&le [10.04.2026].
[56] Vgl. mit Blick auf allgemein touristische Kontexte auch z.B. Pagenstecher, Reisekataloge und Urlaubsalben, S. 182.
[57] Zeitzeugengespräch mit dem damaligen Bundeswehrsoldaten F. (technischer Wart für die Transall C-160) am 09.11.2021 in Kaufbeuren (archiviert beim MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow). Vgl. für den Einsatz in Afghanistan auch Scheuermann, Bilder des Alltäglichen im Krieg.
[58] Siehe die Beispiele bei Leonhardt/Schlaffer (Hg.), Äthiopien ʼ84/85, S. 68-76.
[59] Vgl. hierzu auch ein Beispiel aus dem Afghanistan-Einsatz bei Scheuermann, Bilder des Alltäglichen im Krieg. Hinsichtlich der diesbezüglichen Verarbeitung im Kontext des Ersten Weltkrieges siehe Neuser, Der Krieg als Reise, S. 100-101.
[60] Siehe zum derartigen Voyeurismus auch Ingrid Thurner, „Grauenhaft. Ich muß ein Foto machen.“ Tourismus und Fotografie, in: Fotogeschichte 44 (1992), S. 23-42, hier S. 26; Hanna Büdenbender, „Wow, that’s so postcard!“ De-/Konstruktion des Tropischen in der zeitgenössischen Fotografie, Berlin 2022, S. 46; Pagenstecher, Reisekataloge und Urlaubsalben, S. 183-184. Aus Forschungen ist lange bekannt, „dass Verletzungen, Not und Unfall von einzelnen Menschen auch gern gesehen werden.“ Martin Schuster, Fotopsychologie. Fotos sehen, verstehen, gestalten, Berlin 2020, S. 191.
[61] Thurner, „Grauenhaft. Ich muß ein Foto machen.“, S. 30-31. Siehe auch die Beispiele bei Leonhardt/Schlaffer (Hg.), Äthiopien ʼ84/85, S. 66 u. 45.
[62] Siehe das Beispiel bei ebd., S. 73.
[63] Vgl. hierzu Thurner, „Grauenhaft. Ich muß ein Foto machen.“, S. 28-29; Heike Behrend/Tobias Wendl, Snap me one! Studiofotografen in Afrika, München 1998, S. 19; Denise Toussaint, Dem kolonialen Blick begegnen. Identität, Alterität und Postkolonialität in den Fotomontagen von Hannah Höch, Bielefeld 2014, S. 101; Anna Krämer/David Schommer, Mein Bild von „Afrika“. Zur Kolonialität touristischer Fotografie, in: Manuela Aßner u.a. (Hg.), AfrikaBilder im Wandel? Quellen, Kontinuitäten, Wirkungen und Brüche, Frankfurt a.M. 2012, S. 103-114, hier S. 105 u. 111; Annika Vosseler, Rez. zu Kurmann, Eliane, Fotogeschichten und Geschichtsbilder. Aneignung und Umdeutung historischer Fotografien in Tansania, Frankfurt a.M. 2023, in: H-Soz-Kult, https://www.connections.clio-online.net/publicationreview/id/reb-128750 [10.04.2026]. Zum diesbezüglich allgemeinen „Machtgefälle zwischen den fotografierenden Subjekten und den fotografierten ‚Objekten‘“ siehe Büdenbender, „Wow, that’s so postcard!“, S. 37 u. 45. Es lässt sich insgesamt feststellen, dass „[d]er fotografische Blick in den Abermillionen von Touristenfotos […] in Form und Inhalt massive Züge kolonialistischer Tradition [trägt]“. Gerhard Armanski, Die kostbarsten Tage des Jahres. Tourismus – Ursachen, Formen, Folgen, Bielefeld 31986, S. 115.
[64] „[G]erade in alltäglichen Kontexten [wird] kein Kontinent so stereotyp und klischeehaft charakterisiert wie der afrikanische.“ Marianne Bechhaus-Gerst, Hilfsorganisationen: Afrika in den Köpfen, in: Deutsches Ärzteblatt. Medizin Studieren 1 (2006), S. 14-15, hier S. 15, https://www.aerzteblatt.de/archiv/pdf/c0f834d0-e61c-4313-a7b9-a87809eff9a3; siehe hierzu auch Rainer Gries, Den kolonialen Blick überwinden: „Afrikabilder“ und „Afrikapolitik“, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 43-45 (2018), S. 40, https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/277735/den-kolonialen-blick-ueberwinden/ [beide 10.04.2026]. Zu rassistischen Stereotypen im Zusammenhang mit deutschen Fotografien von französischen und britischen Kolonialsoldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg vgl. auch Petra Bopp/Jürgen Matthäus, Kriegsgewalt „im Osten“ in deutschen Fotoalben, in: Alina Bothe/Christoph Kreutzmüller/Babette Quinkert (Hg.), Fotografie und Gewalt im Nationalsozialismus, Göttingen 2024, S. 115-134, hier S. 126-127; Bopp, Fremde (2003), S. 101-106.
[65] Siehe die Beispiele bei Leonhardt/Schlaffer (Hg.), Äthiopien ʼ84/85, S. 48 u. 66.
[66] Susan Arndt, Wie Rassismus aus Bildern spricht, in: Wissenschaft und Frieden 1 (2015), S. 7-10, https://wissenschaft-und-frieden.de/artikel/wie-rassismus-aus-bildern-spricht/ [10.04.2026]. „Durch […] verstetigende Wiederholungen schleichen sich Stereotype subtil in die individuelle Wahrnehmung ein und werden dann als gegeben, eindeutig und natürlich angenommen.“ Ebd. „Exotistische Vorstellungen sind Teil rassistischer Denkmuster.“ Küntzel, Kolonialismus im Krieg, S. 205.
[67] Vgl. zur diesbezüglich zeitgenössischen Kritik in Westdeutschland z.B. Walter Michler, Weißbuch Afrika, Bonn 21991, S. 5-8. Zum Rassismus der 1980er Jahre in der Bundesrepublik siehe auch Vojin Saša Vukadinović, Rassismus in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte, in: ders. (Hg.), Rassismus. Von der frühen Bundesrepublik bis zur Gegenwart, Berlin 2023, S. 23-32, https://library.oapen.org/bitstream/handle/20.500.12657/61137/1/9783110702729.pdf [10.04.2026]; Harry Waibel, Rechte Kontinuitäten. Rassismus und Neonazismus in Deutschland seit 1945. Eine Dokumentation, Hamburg 2022, S. 29-36. Aber auch in der DDR existierte damals ein „latente[r] Alltagsrassismus“, der sich unter anderem ebenfalls in der Verwendung des N-Wortes zeigte; Steffi Lehmann, Rechtsextremismus in der DDR, in: Sebastian Liebold u.a. (Hg.), Demokratie in unruhigen Zeiten. Festschrift für Eckhard Jesse, Baden-Baden 2018, S. 99-108, hier S. 108; vgl. z.B. May Ayim, Die Afro-deutsche Minderheit, in: Susan Arndt (Hg.), AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland, Münster 2001, S. 71-86, hier S. 82-83; Waibel, Rechte Kontinuitäten, S. 97-102.
[68] Zeitzeugengespräche mit ehemaligen Soldaten der Bundeswehr und NVA im November 2021 und August 2022 in Kaufbeuren sowie im September 2022 in Berlin-Gatow (archiviert beim MHMBw Flugplatz Berlin-Gatow).
[69] Vgl. ganz allgemein Czycholl, Bilder des Fremden, S. 51; Krauss, Kleine Welten, S. 58; sowie für den Zweiten Weltkrieg Bopp/Starke, Fremde im Visier, S. 11. Mit Blick auf Fotokonvolute aus dem Afghanistan-Einsatz vgl. Scheuermann, Bilder des Alltäglichen im Krieg.
[70] Auch Janina Struk stellt auf Basis des für die Zeit nach 1945 untersuchten Quellenmaterials von Armeeangehörigen aus Großbritannien, den USA und Israel Kontinuitäten fest: „Of the thousands of pictures and hundreds of photo albums that I looked at, I discovered that, as long as it has been technically possible for soldiers to take pictures at war, the same subjects reoccur time and time again – touristy pictures, pictures of colleagues and social occasions, a fascination for indigenous peoples, military brutality and the dead.“ Struk, Private Pictures, S. XV. Der zentrale Unterschied liegt also im fotografischen Festhalten von militärischer Brutalität. Ansonsten lässt sich das Genannte auch auf die für den vorliegenden Artikel untersuchten Quellen übertragen. Zum „Fotografieren von Kriegsgräueln“ beim Bundeswehreinsatz in Afghanistan siehe Scheuermann, Bilder des Alltäglichen im Krieg.
[71] Vgl. zur privaten Nutzung von Action-Cams durch Bundeswehrangehörige in Afghanistan auch Philip Fraund, Die Bundeswehr, das Fernsehen und der Krieg, in: Jochen Maurer/Martin Rink (Hg.), Einsatz ohne Krieg? Die Bundeswehr nach 1990 zwischen politischem Auftrag und militärischer Wirklichkeit, Göttingen 2021, S. 243-254, hier S. 252.
[72] Pagenstecher, Reisekataloge und Urlaubsalben, S. 181.
[73] Siehe zu humanitären Einsätzen im Kalten Krieg auch z.B. den kurzen Überblick bei Markus Evers/Stefan Kontra, Hilfe über Grenzen hinweg. Humanitäre Einsätze im Ausland, in: Sven Lange/Heiner Möllers (Hg.), Geschichte der Bundeswehr in 100 Objekten, Berlin 2025, S. 204-207, hier S. 206-207. Die Bundeswehr hat sich schließlich bereits seit „ihrer Gründungs- und Aufbauphase vielfach an Hilfseinsätzen in anderen Staaten beteiligt“. Ebd., S. 206. Zu den Auslandseinsätzen nach der deutschen Wiedervereinigung siehe z.B. Sönke Neitzel, Die Bundeswehr. Von der Wiederbewaffnung bis zur Zeitenwende, München 52025, S. 49-100.
[74] Beim Einsatz in Afghanistan sorgten im Jahr 2006 schließlich Fotos von Bundeswehrangehörigen, die sich mit menschlichen Überresten fotografiert hatten, für einen großen Skandal; siehe Heiner Möllers, Von Aufregern und Affären. Skandale der Bundeswehr, in: Lange/Möllers (Hg.), Geschichte der Bundeswehr in 100 Objekten, S. 188-191, hier S. 188-189; vgl. Rass/Lohmeier, Der Körper des toten Soldaten, S. 320. In Afghanistan war es den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr dann auch offiziell untersagt, „außerhalb der Lager“ Fotos zu machen. Wobei dies trotz des Verbots immer wieder praktiziert wurde; siehe Christine Stelzig, Vorwort zu dies/Tobias Matern (Hg.), Augenblick Afghanistan. Angst und Sehnsucht in einem versehrten Land, München 2012, S. 8.
[75] Siehe hierzu z.B. die Anmerkungen und weiterführenden Literaturhinweise bei Matthias Rogg, Armee des Volkes? Militär und Gesellschaft in der DDR, Berlin 2008, S. 18 u. 405.
[76] Ab 1975 war für Frauen zumindest eine Laufbahn im Sanitäts- und Militärmusikdienst der Bundeswehr möglich (zunächst für dringend benötigte Ärztinnen); vgl. Jens-Rainer Ahrens, Verzögerte Anpassung und radikaler Wandel. Zum parlamentarischen Diskurs über Frauen in den Streitkräften seit Gründung der Bundeswehr, in: ders./Maja Apelt/Christian Bender (Hg.), Frauen im Militär. Empirische Befunde und Perspektiven zur Integration von Frauen in die Streitkräfte, Wiesbaden 2005, S. 32-44, hier S. 36-37. Beim Einsatz in Äthiopien war jedoch – wie bereits angemerkt – keine Ärztin oder Sanitäterin dabei, sodass im untersuchten Material weibliche Blicke fehlen. Die vollständige Öffnung aller militärischen Laufbahnen/Funktionen für Frauen erfolgte bei der Bundeswehr erst im Jahr 2001; siehe z.B. ebd., S. 40-41.
[77] Vgl. Bernd Hüppauf, Fotografie im Krieg, Paderborn 2015, S. 49.
[78] Siehe hierzu z.B. „Die Innere Führung – das Wertegerüst der Bundeswehr“, in: Bundesministerium der Verteidigung (Hg.), Bundeswehr, Berlin o.D., https://www.bundeswehr.de/de/selbstverstaendnis/innere-fuehrung [10.04.2026].
[79] Jäger, Photographie, S. 155.
[80] Brianna Faith Perry schreibt mit Blick auf US-amerikanische Soldaten: „As war photojournalism has become more accessible to amateur users, such as soldiers, the boundaries of the medium have greatly mutated. Any individual can be deemed a photojournalist […]“; Brianna Faith Perry, Iraq and Iphones: War Photography in the Digital Era, in: ResearchGate, 04.05.2016, https://www.researchgate.net/publication/325253089_Iraq_and_Iphones_War_Photography_in_the_Digital_Era [10.04.2026]. „Fotohandys und soziale Netzwerke wie Facebook beenden die Ära der ‚klassischen’ Nachlässe.“ Andreas Kunz, Transformation, Network Centric Warfare und Facebook. Quellenüberlieferung zur jüngsten deutschen Militärgeschichte, in: Chiari (Hg.), Auftrag Auslandseinsatz, S. 389-397, hier S. 396.
[81] Siehe zu den gegenwärtigen Regelungen in puncto Fotografie und soziale Medien auch „Die Social Media Guidelines“ der Bundeswehr, in: Bundesministerium der Verteidigung (Hg.), Bundeswehr, Berlin o.D., https://www.bundeswehr.de/de/social-media-guidelines-bundeswehr [10.04.2026].
Zitation
Markus Evers, Privatfotografie im (Kriegs-)Einsatz. Überlegungen zu Kontinuitäten beim deutschen Militär, in: Visual History, 13.04.2016, https://visual-history.de/2026/04/13/evers-privatfotografie-im-kriegs-einsatz/
DOI: https://doi.org/10.14765/zzf.dok-3030
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