Neue Initiative #LastSeen

Mit einem historischen LKW als Ausstellungsraum geht #LastSeen. Bilder der NS-Deportationen ab Januar 2022 auf Tour

Am 28. April 1942 holte die Gestapo die Familien Löwenstein, Meyberg, Erna Levy und Henriette Schlesinger mit einem Lastwagen aus Hohenlimburg ab und brachte sie nach Hagen, Fotograf: Rudolf Ante, 28.4.1942, Stadtarchiv Hagen, Quelle: #LastSeen | Arolsen Archives

Wer waren die Menschen, die zwischen 1938 und 1945 aus dem Deutschen Reich in Ghettos oder Lager verschleppt wurden? Die Initiative #LastSeen sucht nach Bildern der NS-Deportationen und mehr Informationen dazu. Die meisten der Männer, Frauen und Kinder sind auf den Bildern ein letztes Mal zu sehen – bevor die Nationalsozialisten sie in die Vernichtungslager brachten und ermordeten. #LastSeen startet am 20. Januar 2022, 80 Jahre nachdem bei der Wannsee-Konferenz hochrangige NS-Funktionäre die Umsetzung des Massenmordes an allen europäischen Jüdinnen und Juden besprachen.

 

Mehr Bilder finden, entschlüsseln und verstehen
Bisher sind rund 550 Fotos von NS-Deportationen aus etwa 50 Orten bekannt. Überwiegend dokumentieren sie die Verschleppung der Menschen, die vom NS-Regime als Juden aus der Gesellschaft ausgeschlossen und entrechtet worden waren. Einige wenige Bilder sind von den Deportationen der Sinti und Roma erhalten. Es ist wahrscheinlich, dass es mehr Fotos gibt. Denn die Deportationen fanden in vielen Städten und Gemeinden statt – in der Öffentlichkeit.

Neben der Suche nach Bildern, geht es bei #LastSeen auch um ein neues Verständnis der Fotos. Viele Fragen, die sie aufwerfen, sind bislang nicht beantwortet: Wer ist abgebildet? Wer hat fotografiert? Wann und wo entstanden die Aufnahmen? Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives, erklärt, warum die Mithilfe von Interessierten vor Ort für die Initiative so wichtig ist: „Je mehr Menschen den Historikerinnen und Historikern bei der Suche nach Bildern und Informationen helfen, desto umfangreicher und interessanter werden die Ergebnisse von #LastSeen“.

 

Von München durch Deutschland
Um auf die Initiative aufmerksam zu machen, tourt #LastSeen 2022 durch Deutschland. Eine Ausstellung auf der Ladefläche eines historischen LKWs informiert über die Bilder der NS-Deportationen und erklärt, wie sich Freiwillige an der Suche beteiligen können. Der LKW stammt aus den 1950er Jahren, für den Transport von Verfolgten zu Sammellagern und Bahnhöfen wurden aber ähnliche Fahrzeuge genutzt.

#LastSeen in München auf dem Marienplatz am 20. Januar 2022, Fotocredit: Michael Nagy/Presse- und Informationsamt München, Quelle: #LastSeen | Arolsen Archives

#LastSeen-Webportal und pädagogisches Programm
Erste Ergebnisse von #LastSeen werden Ende 2022 veröffentlicht und stehen damit sowohl der Forschung als auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Zudem wird aktuell ein interaktives, partizipatives Tool entwickelt, mit dem Schülerinnen und Schüler das Bildmaterial zu Deportationen lesen und verstehen lernen.

Ziel der Initiative ist es, die Erinnerung ins Heute zu transportieren. Dr. Alina Bothe, Projektleiterin #LastSeen: „Die Deportationen waren ein öffentlich inszenierter Akt der Entwürdigung. Wir möchten dazu beitragen, den Menschen ihre Namen und Geschichten wiederzugeben – und damit auch ihre Würde.“

 

Die nächsten Standorte der Ausstellung:

21.-23. Januar, 12-17 Uhr: Rindermarkt, München
24.-25. Januar, 12-17 Uhr: Sankt-Jakobs-Platz, München
28. Januar – 6. Februar, Haidplatz, Regensburg

 

Pressekontakt:
Ilona Schäkel
0177 55 77 958
lastseen@arolsen-archives.org

 

Website: http://www.lastseen.org
Pressefotos: https://lastseen.arolsen-archives.org/presse/
Ausstellungsroute (wird laufend aktualisiert): http://www.lastseen.org/ausstellung

 

Über die Partner: #LastSeen ist eine Initiative der Arolsen Archives & Partner:
• Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
• Institut für Stadtgeschichte und Erinnerungskultur, Kulturreferat der Landeshauptstadt München
• USC Dornsife Center for Advanced Genocide Research, Los Angeles
• Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin

 

Projektleiterin ist die Historikerin Dr. Alina Bothe.

Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht gefördert. Mehr Informationen: www.stiftung-evz.de/bildungsagenda

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