Archiv-Sommer 2026

Demonstration zum feministischen Kampftag in Montevideo, Uruguay, 8. März 2025. Foto: Bettina Franco, Quelle:
Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Sonnencreme, Badesee, Eis am Stiel – der Sommer bringt vieles zurück. Warum also nicht auch diejenigen, die in der Geschichtsschreibung viel zu lange im Schatten standen.
Im diesjährigen Archivsommer stellen wir deshalb ausgewählte Beiträge aus unserem Archiv erneut ins Rampenlicht, um zu zeigen, was in den vergangenen Jahren auf Visual History erschienen ist. Für die Sommerlektüre veröffentlichen wir zwölf Texte wieder neu, die von Frauen in der Geschichte, ihren Kämpfen, Erfolgen und Perspektiven erzählen sowie von feministischen Bewegungen, die Gesellschaften verändert haben.
Der Archiv-Sommer 2026 – zum Schmökern, Wiederentdecken und Weiterdenken!
(1) „Unbequeme Konkurrentinnen“. Die frühe fotografische Ausbildung von Frauen im Berliner Lette-Verein ab 1890

Die Ateliers der Photographischen Lehranstalt. Fotograf:in: unbekannt, Quelle: Lette Verein Berlin ©
„Unbequeme Konkurrentinnen“ waren sie aus Sicht vieler Zeitgenossen: die Frauen, die sich ab 1890 am Berliner Lette-Verein professionell zur Fotografin ausbilden ließen.
Anne Vitten zeichnet nach, wie diese Ausbildung neue berufliche Möglichkeiten eröffnete und warum ihre Absolventinnen die Geschichte der Fotografie und der Frauenarbeit gleichermaßen prägten. Ein Beitrag über Bildung, Emanzipation und die Professionalisierung der Fotografie.
Anne Vitten, „Unbequeme Konkurrentinnen“. Die frühe fotografische Ausbildung von Frauen im Berliner Lette-Verein ab 1890, in: Visual History, 19. September 2023, https://visual-history.de/project/vitten-unbequeme-konkurrentinnen-lette-verein-berlin/
(2) Jacke wie Hose? Rezension: Viola Hofmann, Das Kostüm der Macht

Cover: Viola Hofmann, Das Kostüm der Macht,
edition ebersbach, Berlin 2014
Kleider machen Leute.
Mode ist politisch, zumindest dann, wenn Frauen Politik machen. „Das Kostüm der Macht“ zeigt, warum Kleidung in der Politik weit mehr als Geschmackssache ist und weshalb insbesondere Politikerinnen bis heute an anderen Maßstäben gemessen werden als ihre männlichen Kollegen.
Miriam Zlobinski, Jacke wie Hose? Rezension: Viola Hofmann, Das Kostüm der
Macht, in: Visual History, 23. Mai 2017, https://visual-history.de/2017/05/23/jacke-wie-hose/
(3) Gendered Bodies on Soviet Posters, 1917-1924. The Visual Representation of Backwardness

Panteleimon Zhilin: „Long Live the Great
Anniversary of the Proletarian Revolution!
Long Live the Commune!“ Cover „Lukomor’e“ 1917
Wie sieht Revolution aus, und welchen Körper hat sie?
Elizabeth A. Wood zeigt, wie sowjetische Propagandaplakate der frühen Revolutionsjahre Geschlecht visuell aufgeladen haben. Den Männern, als Bild des Fortschritts, steht das Weibliche als passiv und rückständig gegenüber. Dabei wird deutlich, dass Geschlechterrollen nicht nur gesellschaftlich geprägt, sondern auch bewusst politisch instrumentalisiert werden können.
Elizabeth A. Wood, Gendered Bodies on Soviet Posters, 1917-1924. The Visual Representation of Backwardness, in: Visual History, 20. Oktober 2025, https://visual-history.de/2025/10/20/wood-gendered-bodies-on-soviet-posters-1917-1924/
(4) Soviet Sensuality – The Exhibition „The Queue“. An Episode in Tartu’s Photo History

Ain Protsin, “Girls from Supilinn”, ca. 1988
Courtesy of the artist © Indrek Grigor
Aktfotografie und Sowjetunion – passt das zusammen?
Anna Derksen zeigt, dass die Geschichte der Fotografie im späten Sozialismus weit vielschichtiger ist, als gängige Klischees vermuten lassen. Am Beispiel der Ausstellung The Queue eröffnet sie neue Perspektiven auf Körperbilder, Weiblichkeit und den gesellschaftlichen Wandel in Estland.
Anna Derksen, Soviet Sensuality – The Exhibition „The Queue“. An Episode in Tartu’s Photo History. Järjekord. Üks episood Tartu fotoloost at the Tartu Art Museum – 5. November 2022 – 12. Februar 2023, in: Visual History, 9. Februar 2023, https://visual-history.de/2023/02/09/derksen-soviet-sensuality-the-exhibition-the-queue/
(5) „Lauchhammer ist mein New York“. Christina Glanz’ Fotoporträts ostdeutscher Kohle-Arbeiter:innen in den Jahren postsozialistischer Massenentlassungen

Porträt „In den Brikettfabriken 1992-1994“
Foto: Christina Glanz ©
Lange blieb ihr Werk im Verborgenen –
heute gilt Christina Glanz als eine der bemerkenswertesten Fotografinnen der späten DDR. Mit ihrer Kamera hielt sie fest, was viele übersahen: den Alltag und die Schicksale vieler Menschen in der Lausitz durch die tiefgreifenden Umbrüche der Nachwendezeit.
Axel Doßmann, „Lauchhammer ist mein New York“. Christina Glanz’ Fotoporträts ostdeutscher Kohle-Arbeiter:innen in den Jahren postsozialistischer Massenentlassungen, in: Visual History, 13. März 2024, https://visual-history.de/en/2024/03/13/dossmann-lauchhammer-ist-mein-new-york-christina-glanz-fotoportraets/
(6) Das Geschlecht der Öffentlichkeit. Deutsche und russische Frauenzeitschriften und ihr Publikum im frühen 20. Jahrhundert

Titelbild: „Die praktische Berlinerin“, 1905
Ullstein Verlag
Wer gehört zur Öffentlichkeit, und wer bleibt unsichtbar?
Das Forschungsprojekt „Das Geschlecht der Öffentlichkeit“ widmet sich der Frage, wie Geschlecht öffentliche Räume prägt. Anhand historischer Fotografien und anderer Bildquellen wird in dem Beitrag gezeigt, wie Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit in der öffentlichen Darstellung entstehen, sich verändern und bis heute unseren Blick auf Geschichte beeinflussen. Ein Einblick in ein Forschungsfeld, das Bilder als Teil gesellschaftlicher Machtverhältnisse versteht.
Barbara Duttenhöfer, Das Geschlecht der Öffentlichkeit. Deutsche und russische Frauenzeitschriften und ihr Publikum im frühen 20. Jahrhundert, in Visual History, 24. November 2015, https://visual-history.de/project/das-geschlecht-der-oeffentlichkeit/
(7) Gender Battles in Women’s Comics of the Second-Wave Feminist Era

Trina, It Aint Me Babe. July 1970, cover ©
Comics können mehr als Unterhaltung.
In der Frauenbewegung der 1970er und 1980er Jahre werden sie zum politischen Werkzeug. Mary Jo Maynes zeigt, wie Zeichnerinnen mit Panels, Figuren und Geschichten Geschlechterrollen, Körperbilder und Alltagsnormen hinterfragten. So werden die Comics selbst zu einem Ort feministischer Kritik. Zugespitzt, visuell und oft überraschend direkt.
Mary Jo Maynes, Gender Battles in Women’s Comics of the Second-Wave Feminist Era, in: Visual History, 15. Dezember 2025, https://visual-history.de/2025/12/15/maynes-gender-battles-in-womens-comics-of-the-second-wave-feminist-era/
(8) Herstory. Dokumentar.Film.Bild.Ethik

Filmstill aus „Subjekträume“ (D 2020) © Katharina Voß/TINT Filmkollektiv
Wie lässt sich queere und feministische Geschichte erzählen, ohne die Menschen hinter den Bildern erneut zu vereinnahmen?
Das Gespräch „Herstory – Dokumentar.Film.Bild.Ethik“ begleitet die Entstehung des Dokumentarfilms Subjekträume und zeigt, dass historische Bilder niemals neutral sind. Im Mittelpunkt steht die Diskussion über einen verantwortungsvollen und ethischen Umgang mit Archivmaterial und warum gerade die Art des Erzählens Geschichte prägt.
Janin Afken, Sarah Dellmann und Katharina Voß, Herstory. Dokumentar.Film.Bild.Ethik, in: Visual History, 29. März 2021, https://visual-history.de/2021/03/29/herstory/
(9) Ambiguous Representations of Gender in Late Eighteenth- and Early Nineteenth-Century Illustrations in German Children’s Literature

Rothkäppchen postcard (1901) Source: The Jack Zipes Historic Fairy Tale Postcard Collection, Minneapolis College of Art and Design.
Mädchen im Kleid, Jungen mit Degen?
Ganz so einfach war es in frühen Kinderbüchern überraschenderweise gar nicht. Mal streng sortiert, mal überraschend offen zeigen die Illustrationen deutscher Kinderbücher des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, dass dort deutlich mehr mit Geschlecht gespielt wurde, als man vermuten würde.
Emily C. Bruce, Ambiguous Representations of Gender in Late Eighteenth- and Early Nineteenth-Century Illustrations in German Children’s Literature, in: Visual History, 13. Oktober 2025, https://visual-history.de/2025/10/13/bruce-ambiguous-representations-of-gender-in-late-eighteenth-and-early-nineteenth-century-illustrations-in-german-childrens-literature/
(10) Customs and Declarations: Research Strategies for Uncovering the Hidden History of a Black Woman Photographer

Business Card of Charlotte Paige Carroll of Electric Studio, c. 1930. Source: Louis “Scotty” Piper Collection, Chicago History Museum
Was bleibt von einer Fotografin, wenn das Archiv nur Bruchstücke liefert?
Amy M. Mooney folgt den Spuren einer Schwarzen Fotografin im Chicago der 1920er bis 1940er Jahre und zeigt, wie sich ihr Werk überhaupt erst aus Lücken, Zufällen und Verwaltungsdokumenten zusammensetzen lässt.
Amy M. Mooney, Customs and Declarations: Research Strategies for Uncovering the Hidden History of a Black Woman Photographer, in: Visual History, 27. Oktober 2025, https://visual-history.de/2025/10/27/mooney-customs-and-declarations/
(11) Agentin und Gründerin: Maria Eisner

Maria Giovanna Eisner, Brassai, in: Minicam Photography 7 (1944)
Ohne Maria Eisner gäbe es die berühmte Fotoagentur Magnum vielleicht nicht in ihrer heutigen Form.
Trotzdem blieb die Mitgründerin und Bildagentin lange im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Reiner Hartmann zeichnet ihren außergewöhnlichen Lebensweg nach und zeigt, warum sie zu den wichtigsten, aber lange übersehenen Frauen der Fotogeschichte zählt.
Reiner Hartmann, Agentin und Gründerin: Maria Eisner, in: Visual History, 17. Juli 2023, https://visual-history.de/2023/07/17/hartmann-agentin-und-gruenderin-maria-eisner/
(12) … und auf einmal kriecht mir diese DDR wieder hinterher. Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer in „Rebellinnen“ – ein Film von Pamela Meyer-Arndt

Filmplakat „Rebellinnen – Fotografie. Underground. DDR.“ Foto: Cornelia Schleime © mit freundlicher Genehmigung Salzgeber & Co. Medien
Kunst, Widerstand und jede Menge Mut.
Der Dokumentarfilm „Rebellinnen“ rückt mit Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer drei Künstlerinnen in den Mittelpunkt, die in der DDR gegen staatliche Kontrolle aufbegehrten. Der Film sowie der Beitrag zeigen auf, wie eng Kunst und politische Repression miteinander verwoben sind.
Annette Schuhmann, … und auf einmal kriecht mir diese DDR wieder hinterher. Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer in „Rebellinnen“ – ein Film von Pamela Meyer-Arndt, in: Visual History, 01. November 2022, https://visual-history.de/2022/11/01/schuhmann-und-auf-einmal-kriecht-mir-diese-ddr-wieder-hinterher/

